"Wir müssen vorbereitet sein."

Oberstapotheker Peter Marth appelliert anlässlich der steigenden Zahl an hyb-riden Angriffen an die gesamtgesellschaftliche Verantwortung zur Stärkung der Krisenresilienz

AVNR-Vorsitzender und ABDA-Präsident Thomas Preis und Oberstapotheker Peter Marth beim Sommerempfang des Apothekerverbandes Nordrhein e.V. in Düsseldorf. (Quelle: AVNR)

Düsseldorf, 03.09.2026. Der Apothekerverband Nordrhein e.V. konnte bei seinem Sommerempfang am 02.09.2026 in Düsseldorf über 100 hochkarätige Gäste aus dem Gesundheitswesen begrüßen, darunter Politiker, Vertreter des NRW-Gesundheitsministeriums, der Ärzteschaft, Krankenkassen, Krankenhäusern, des Pharmazeutischen Großhandels und der Arzneimittelhersteller. Das Grußwort sprach erstmalig ein Vertreter des Kommandos Gesundheitsversorgung der Bundeswehr.

Oberstapotheker Peter Marth skizzierte die aktuell angespannte geopolitische Situation, hob die wichtige Bedeutung der Apotheken allgemein und in Krisensituationen hervor und machte an einem fiktiven Notfallszenario deutlich, wie wichtig es ist, sich vorzubereiten und die Krisenresilienz zu stärken. Der AVNR-Vorsitzende und ABDA-Präsident Thomas Preis nutzte die Gelegenheit für eine erste Zwischenbilanz der Bundesgesundheitspolitik nach der Sommerpause. Dabei kritisierte er aufs Schärfste die wettbewerbsverzerrenden Werbe- und Rabattaktionen ausländischer Arzneimittelversandhändler zu Lasten des öffentlichen Versorgungsauftrages der Apotheken vor Ort.

„Mit großer Sorge beobachten wir die zunehmende Praxis ausländischer Versandhändler, gesetzlich vorgeschriebene Zuzahlungen für verschreibungspflichtige Arzneimittel nicht zu erheben und mit einem solchen Verzicht aktiv zu werben, vielmehr ungestraft werben zu dürfen“, sagte Thomas Preis, AVNR-Vorsitzender und ABDA-Präsident. „Was aktuell im Bereich Versandhandel stattfindet, darf nicht zum neuen Normalzustand werden. Die sehr gut funktionierende Arzneimittelversorgung in Deutschland ist keine Selbstverständlichkeit. Sie darf nicht länger von Marktteilnehmern aus dem Ausland destruktiv und negativ beeinträchtigt werden. Jetzt hier und unmittelbar aktiv einzugreifen, ist die jetzt notwendigste politische Verantwortung der Bundesregierung!“, betonte Preis. Der Deutsche Apothekertag, der in diesem Jahr ab dem 15.September in München stattfinde, werde sich deshalb mit zahlreichen Anträgen mit der brandgefährlichen Versandhandelsproblematik beschäftigen, so Preis weiter.

Oberstapotheker Peter Marth machte in seinem Grußwort die wichtige Bedeutung der Apotheken vor Ort im Alltag der Menschen deutlich. „Apothekerinnen und Apotheker sorgen täglich dafür, dass Lieferengpässe keine Versorgungsengpässe werden“, sagte Marth. Dabei stellte er klar: „Dass alle Arzneimittel verfügbar sind, ist Geschichte!“ Wenn Lieferketten gestört seien, bestehe die Stärke der öffentlichen Apotheken darin, mit ihrer fachlichen Kompetenz Alternativen zu prüfen. „Apothekerinnen und Apotheker suchen und finden aktiv Lösungen, jeden Tag. Schon deshalb sind Apotheken Teil der kritischen Infrastruktur,“ so Marth weiter. Vor allen die Nähe zu den Menschen sei im Alltag sehr wertvoll und umso wertvoller in einer Krise, betonte Marth.

Mit Verweis auf die steigende Zahl an hybriden Angriffen und Cyberangriffen auf kritische Infrastrukturen appellierte Marth an die gesamtgesellschaftliche Verantwortung zur Stärkung der Krisenresilienz: „Wir müssen vorbereitet sein!“ Die Frage sei nicht mehr, ob eine Krise eintreten könne. „Entscheidend ist, dass wir darauf vorbereitet sind, wenn es soweit ist“, forderte Marth.