Geschäftsbericht 2025/2026

Vorwort

Stand: Düsseldorf, 16. März 2026 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

die Bundesregierung regiert nunmehr seit über einem Jahr auf der Grundlage des Koalitionsvertrages mit dem Titel „Verantwortung für Deutschland“. Erfreulich daran ist, dass den Apotheken vor Ort darin sogar ein eigenes Kapitel gewidmet wurde – mit klaren Zusagen zur wirtschaftlichen Stärkung, insbesondere der einmaligen Erhöhung des Fixums auf 9,50 Euro und der Ankündigung den Apotheken künftig noch mehr Verantwortung im Bereich der Früherkennung und Prävention, beispielsweise das Impfen, geben zu wollen.

Apotheken vor Ort erfüllen einen gesellschaftlichen Auftrag

Da die Umsetzung des Koalitionsvertrages bis heute, dem Tag des Schreibens die-ses Vorwortes, auf sich warten lässt, hat der Berufsstand die Kommunikation immer weiter verstärkt, um die Umsetzung des Koalitionsvertrages konsequent einzufordern und auch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken im Zuge des Gesetzgebungsverfahrens zum Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) dabei zu unterstützen, ihre klare Zusage einer Fixumserhöhung einzuhalten. Denn sie hat mehrfach und glaubhaft erklärt, dass das Fixum wie im Koalitionsvertrag vereinbart, erhöht wird (siehe dazu auch, Jahr im Überblick, Seite 84). Es gab bis heute keinen Anlass, an dieser Zusage zu zweifeln. Trotzdem helfen Ankündigungen jetzt nicht mehr weiter. Denn täglich schließen bis zu zwei Apotheken. Jeden Tag verlieren wir Versorgungsstruktur. Jeden Tag wird unser Apothekennetz dünner.

Es geht um nicht weniger als die Versorgungssicherheit der Menschen in unserem Land und es geht um viele tausende Existenzen von hochqualifizierten Pharmazeutinnen und Pharmazeuten und ihren Teams, die vom Staat seit Jahrzehnten finanziell im Stich gelassen worden sind.

Alle wissen und auch die Politik weiß: Eine sichere Arzneimittel- und Gesundheits-versorgung gelingt nur mit Apotheken vor Ort. Das haben wir alle in der Pandemie erlebt und die Apotheken zuverlässig ausgeführt:

  • Versorgung mit Arzneimitteln
  • Bereitstellung von Masken und Desinfektionsmitteln
  • Durchführung von Tests
  • Ausstellung digitaler Impfzertifikate
  • Organisation von Impfstoffen
  • Und die Beratung zu einem – auch für die Ärzte – gänzlich neuen Virus

Wir waren in diesem außergewöhnlichen Krisenfall vor Ort da: Flächendeckend. In Städten, im ländlichen Raum, und in den Vororten unserer Städte. Ein System, das in der größten Gesundheitskrise unserer Zeit Stabilität garantiert hat.

Auch angesichts einer weiterhin von Krisen geprägten weltpolitischen Lage hat Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte, einer der renommiertesten Politikwissenschaftler, u.a. bekannt durch die Wahlsendungen im ZDF, im Rahmen unseres 18. Zukunftskongresses öffentliche Apotheke am 21.02.2026 einen bemerkenswerten Gedanken formuliert (siehe dazu auch, Jahr im Überblick, Seite 92). Er bezeichnete Apotheken als ,,Demokratieorte" und „Resilienzinstitutionen“.

Weiter sagte er: ,,Wer Daseinsvorsorge sichert, schafft Gemeinwohl." ,,Dort, wo Daseinsvorsorge nicht mehr erkennbar ist, entwickelt sich Radikalität.“ Das ist mehr als eine politische Analyse. Das ist ein gesellschaftlicher Auftrag. Demokratie funktioniert analog. Gute Pharmazie auch. Deshalb protestieren wir nicht nur für eine zu-gesagte Honorarerhöhung. Wir kämpfen für Versorgungssicherheit. Für Vertrauen. Für Gemeinwohl.

Online-Petition erzielt Quorum in nur wenigen Tagen

Das besondere an unseren Protesten, die am 23.03.2026 mit dem bundesweiten Protesttag und den vier Demonstrationen in Berlin, Düsseldorf, Hannover und München ihren vorläufigen Höhepunkt erreichen, ist: Wir sind nicht gegen etwas. Wir sind für die Umsetzung des Koalitionsvertrages. Wir sind für Verlässlichkeit politischer Zusagen. Und wir sind für Ministerin Warken, damit sie das umsetzen kann, was sie zugesichert hat. Starken Rückenwind und die Legitimation dafür, unsere Protest-Maßnahmen weiter auszudehnen und zu verschärfen, hat uns die Online-Petition ,,Apothekensterben stoppen - Koalitionsvertrag jetzt umsetzen" verschafft. Die in der letzten Februarwoche in diesem Jahr gestartete Online-Petition erreichte schon Anfang März das Quorum von 30.000 Unterschriften. Solche Zustimmungen sind beeindruckend. Sie sind kein Zufall! Sie sind ein klares und deutliches Signal von zehntausenden Bürgerinnen und Bürgern. Die Bevölkerung versteht, was auf dem Spiel steht. Wir sind nicht allein mit unseren Forderungen. Auch diese umfangreiche öffentliche Zustimmung per Petition ist ein klarer Handlungsauftrag für die Politik.

Mit neuem Leitbild in eine gesunde Zukunft mit den Apotheken

Aber wir stellen nicht nur berechtigte Forderungen, sondern machen der Politik und der Gesellschaft auch Angebote zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung. So erklärt sich die Apothekerschaft mit dem Positionspapier ,,In eine gesunde Zukunft mit der Apotheke“ dazu bereit, die Kernaufgabe der Arzneimittelversorgung um weitere Leistungen zu erweitern und zu ergänzen. Gleichzeitig stellen wir aber klar, dass eine zukunftsfähige Rolle der Apotheken gestärkte Strukturen und eine faire, leistungsorientierte Honorierung erfordert. Das komplette Positionspapier der ABDA ist der Schwerpunkt unseres ,,Ausblicks" in diesem Geschäftsbericht (siehe Seite 26).

Auch auf Landesebene haben wir, Vorstand und Beirat unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Kaapke, mit voller Überzeugung und im Bewusstsein unserer besonderen Verantwortung für die Gesundheitsversorgung in Deutschland und unserem Verbandsgebiet Nordrhein ein neues „Leitbild für Apotheken aus Sicht des Apothekerverbandes Nordrhein e.V.“ entwickelt, das wir in diesem Geschäftsbericht erstmals veröffentlichen (siehe Seite 10).

Dieses Leitbild beschreibt in kompakter Form unser gemeinsames Grundverständnis, unsere Werte und unseren Auftrag in einer sich wandelnden Gesundheitslandschaft. Es verdeutlicht, wofür wir stehen: für pharmazeutische Kompetenz, persönliche Verantwortung, unabhängige Beratung und eine wohnortnahe, verlässliche Versorgung der Menschen.

Dabei entwickelt sich die Rolle der Apothekerinnen und Apotheker stetig weiter. Neben der sicheren Arzneimittelversorgung übernehmen wir zunehmend Aufgaben in Prävention, Beratung und interprofessioneller Zusammenarbeit. Das neue Leitbild trägt diesen Veränderungen Rechnung und formuliert zugleich klare Grundsätze für Qualität, Integrität und Patientenorientierung. Es richtet sich an: Patientinnen und Patienten, politische Entscheidungsträger, Partner im Gesundheitswesen, und an uns selbst als Berufsstand.

Das Leitbild ist Anspruch und Verpflichtung zugleich. Es soll Orientierung geben, Vertrauen stärken und den hohen Stellenwert unseres Berufs in Gesellschaft und Gesundheitssystem unterstreichen. Alle Kolleginnen und Kollegen sind eingeladen, dieses Leitbild mit Leben zu füllen und gemeinsam die Zukunft der Apotheke aktiv zu gestalten.

Den Mitgliedernutzen als moderner Dienstleister zukunftsorientiert weiterentwickeln

Trotz der weiter abnehmenden Zahl der Apothekenbetriebe bildet der sehr hohe Organisationsgrad unseres Apothekerverbandes Nordrhein von über 98 Prozent weiterhin ein besonders solides Fundament, um den Verband als kompetenten Dienstleister für selbstständige Apotheker/innen in Nordrhein mit modernen Strukturen auf hohem Dienstleistungsniveau zum Nutzen der Mitglieder zukunftsorientiert weiterzuentwickeln. Der sehr hohe Mitgliederbestand bedeutet für den Apothekerverband Nordrhein e.V. nach wie vor Bestätigung und Auftrag zugleich, das von den Mitgliedern in die Arbeit ihres Verbandes gesetzte Vertrauen auch in Zukunft zu rechtfertigen und weiter zu festigen.

Dabei hat der Apothekerverband Nordrhein e.V. in seiner Funktion als Spitzenorganisation der selbstständigen Apotheker/innen eine ganz besondere Vertrauensposition bei den zu vertretenden Mitgliedern und den Partnern der Apothekerschaft im Gesundheitswesen in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus.

Ganz besonders trägt dazu auch die hohe Dienstleistungs- und Serviceorientierung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geschäftsstelle auf der Tersteegen-straße bei. Ein zentrales Ziel unseres engagierten Teams ist: Sie und Ihre Apotheken-teams vom zunehmenden Bürokratismus im Arzneimittel- und Gesundheitsmarkt zu entlasten. Jede Woche erreichen die Geschäftsstelle über 1.500 Anfragen unserer Mitglieder zu Arzneimitteln und Hilfsmitteln. Und in der Clearingstelle sind es aktuell sogar bis zu 6.000 bearbeitete Vorgänge pro Woche, die dann mit den Krankenkassen abgewickelt werden. Zusätzlich hat sich der Apothekerverband Nordrhein als sehr wichtiger Ansprechpartner zahlreicher Medien unseres Bundeslandes und darüber hinaus etabliert.

Fast täglich sind so von der Geschäftsstelle zahlreiche Medienkontakte und -anfragen vorzubereiten und zu beantworten. Zusätzlich ist und will das Team der Geschäftsstelle auf der Tersteegenstraße für unsere zahlreichen Partner im Gesundheitswesen kompetenter Ansprechpartner sein.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren,

mit diesem Geschäftsbericht stellen wir die Aktivitäten des Verbandes im Berichtszeitraum dar. Er soll Ihnen einen Überblick über die vielfältigen Herausforderungen geben, denen sich der Verband mit seinen Mitgliedern im Berichtsjahr gestellt sah und zurzeit sieht. Der vorliegende Geschäftsbericht knüpft hinsichtlich wesentlicher Punkte und redaktioneller Inhalte unmittelbar an den Geschäftsbericht 2024/2025 an, dessen Berichtszeitraum bis März 2025 reichte.

Das Gesundheitswesen steht vor enormen Herausforderungen. Daher ist es jetzt und auch künftig wichtig, als Berufsstand zusammenzustehen, unsere Werte und Ziele zu bewahren und mit einer starken, gemeinsamen Stimme mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken.

Ich wünsche Ihnen eine gute Lektüre unseres Geschäftsberichtes. 

Ihr

Thomas Preis
Vorsitzender Apothekerverband Nordrhein e.V.
Präsident ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e.V.