Sommerurlaub: Der Klimawandel reist mit – neue Anforderungen an die Reiseapotheke

Für viele beginnt der Urlaub mit Vorfreude, Kofferpacken und Reiseplanung. Doch eine Frage wird immer wichtiger: Wie gut ist man gesundheitlich auf Hitze, starke Sonne, Magen-Darm-Beschwerden, Insektenstiche oder die sichere Mitnahme von Medikamenten vorbereitet?

Gut vorbereitet unterwegs: mit der richtigen Reiseapotheke (Bildquelle: ABDA)

Denn die Reisebedingungen haben sich verändert. Hitzewellen treten auch in Regionen auf, die früher als gemäßigt galten. Hohe Temperaturen belasten den Kreislauf, verstärken Flüssigkeitsverluste und können die Wirksamkeit von Arzneimitteln beeinträchtigen. Die Apotheken in Nordrhein beraten zur richtigen Reiseapotheke: individuell, passend zum Reiseziel und zur persönlichen Gesundheit.

Reiseapotheke nach Maß statt Griff in die Schublade
Welche Arznei- und Hilfsmittel sinnvoll sind, richtet sich nach Reiseziel und den persönlichen gesundheitlichen Voraussetzungen. Alter, Vorerkrankungen, Allergien, Schwangerschaft sowie bestehende Medikamente und individuelle Unverträglichkeiten spielen dabei eine wichtige Rolle.

„Genau hier liegt der praktische und hohe gesundheitliche Nutzen der Apotheken vor Ort“, sagt Dr. Armin Hoffmann, Präsident der Apothekerkammer Nordrhein. „Jede Reise stellt andere Anforderungen. Deshalb gibt es auch nicht die eine Reiseapotheke für alle. In der Apotheke beraten wir individuell und berücksichtigen Reiseziel und -dauer, persönliche gesundheitliche Voraussetzungen und bestehende Medikation“, so erklärt Herr Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverbandes Nordrhein e.V. Das schafft Sicherheit bei der richtigen Auswahl, Anwendung und Lagerung der Arzneimittel bei hohen Temperaturen.

Hitze macht Vorsorge wichtiger
Hohe Temperaturen sind nicht nur unangenehm. Sie können auch zu Kreislaufproblemen, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Hitzekrämpfen führen. Wer stark schwitzt, Durchfall bekommt oder erbricht, verliert nicht nur Flüssigkeit, sondern auch wichtige Mineralstoffe. Elektrolytlösungen können dann helfen, den Verlust auszugleichen.
„Welche Präparate geeignet sind und wie sie angewendet werden, sollte gerade bei älteren Menschen, chronisch Erkrankten oder Kindern vorab geklärt werden“, erläutert Apotheker Dr. Armin Hoffmann.

Auch Schmerz- und Fiebermittel sollten in die Reiseapotheke gehören. Entscheidend ist jedoch, dass Wirkstoff und Dosierung zur jeweiligen Person passen. Nicht jedes Mittel ist für jeden geeignet. Wer regelmäßig Arzneimittel einnimmt, sollte mögliche Wechselwirkungen beachten und nicht erst am Urlaubsort improvisieren.

Sonne, Stiche und kleine Notfälle
Sonnenschutz ist längst mehr als Sonnencreme. Je nach Reiseziel, Hauttyp und Aufenthaltsdauer können unterschiedliche Produkte sinnvoll sein. Hinzu kommt: Manche Arzneimittel erhöhen die Lichtempfindlichkeit der Haut und damit das Risiko für Sonnenreaktionen. Welche Vorsorge im Einzelfall geeignet ist, lässt sich am besten vor Reiseantritt klären.
Auch beim Insektenschutz gibt es keine Lösung, die für alle gleichermaßen passt. Mit dem Klimawandel verändern sich die Verbreitungsgebiete verschiedener Insektenarten. Eine individuelle Beratung in der Apotheke hilft dabei, geeignete Repellents sowie Präparate zur Behandlung von Insektenstichen auszuwählen und richtig anzuwenden.

Medikamente gehören nicht ins heiße Auto
Die richtige Lagerung von Arzneimitteln wird häufig unterschätzt. In einem geparkten Auto können Temperaturen die Qualität vieler Medikamente beeinträchtigen. Deshalb sollten sie möglichst kühl, trocken und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt transportiert werden. Eine isolierte Kühltasche kann sinnvoll sein. Kühlakkus sollten jedoch nicht direkt mit den Arzneimitteln in Berührung kommen. Welche Arzneimittel besonders empfindlich auf Hitze reagieren und worauf beim Transport zu achten ist, lässt sich vor Reiseantritt in der Apotheke klären. „So bleibt die Wirksamkeit der Arzneimittel auch während der Reise erhalten“, sagt Apotheker Thomas Preis.

Dauermedikation braucht Planung
Wer regelmäßig Arzneimittel einnimmt, sollte die benötigten Medikamente rechtzeitig für die Reise zusammenstellen. Wichtig ist, ausreichend Medikamente mitzunehmen – möglichst mit einer kleinen Reserve für unvorhergesehene Verzögerungen. Auch Originalverpackungen, Beipackzettel, ein aktueller Medikationsplan und gegebenenfalls ärztliche Unterlagen können unterwegs hilfreich sein.

Medikamente: Einreisebestimmungen rechtzeitig prüfen
Besondere Aufmerksamkeit erfordern Medikamente, für deren Mitnahme im Ausland rechtliche Vorgaben gelten. Dazu zählen beispielsweise einige ADHS-Arzneimittel mit den Wirkstoffen Methylphenidat oder Lisdexamfetamin oder Schmerzpflaster mit Fentanyl oder Morphin, die unter das Betäubungsmittelrecht fallen. Je nach Reiseland sind hierfür Bescheinigungen oder Genehmigungen erforderlich. Wer solche Arzneimittel mitführt, sollte sich deshalb rechtzeitig über die Einreisebestimmungen informieren und die notwendigen Unterlagen vor Reiseantritt zusammenstellen.

Der eigentliche Mehrwert: Sicherheit durch Einordnung
„Der Mehrwert der persönlichen Beratung in der Apotheke vor Ort besteht nicht darin, möglichst viele Medikamente einzupacken“, erklärt Dr. Armin Hoffmann. „Entscheidend ist, die Reiseapotheke sinnvoll zusammenzustellen: Überflüssiges kann zu Hause bleiben und Wichtiges wird nicht vergessen. Welche Arznei- und Hilfsmittel wirklich benötigt werden, hängt vom Reiseziel und den persönlichen gesundheitlichen Voraussetzungen ab. Die Apotheke unterstützt dabei, die passende Auswahl zu treffen und gut vorbereitet in den Urlaub zu starten.“