Frühjahrsempfang des Apothekerverbandes Köln e.V. am 12.06.2024 in Köln

Thomas Preis, Vorsitzender Apothekerverband Köln und Nordrhein e.V. (Bild links) und Dr. Ralph Elster, Bürgermeister der Stadt Köln, beim Frühjahrsempfang des Apothekerverbandes Köln am 12.06.2024 in der Kölner Wolkenburg. Quelle: AVNR

„Erhalt der Apotheken kann nur dann gelingen, wenn sie langfristig wirtschaftlich betrieben werden können“

Bürgermeister der Stadt Köln sieht dringenden politischen Handlungsbedarf angesichts dramatisch steigender Schließungswelle der Apotheken.

Auf dem Frühjahrsempfang des Apothekerverbandes Köln e.V. am 12.06.2024 in der Wolkenburg versammelten sich hochkarätige Gäste aus dem Gesundheitswesen. Mit Bezug auf die andauernde Schließungswelle der Apotheken rückte der Bürgermeister der Stadt Köln, Dr. Ralph Elster, auch das Thema Wirtschaftlichkeit in den Mittelpunkt. Angesichts einer seit über 10 Jahren nicht angepassten Vergütung trotz enormer Kostensteigerungen sei es kaum verwunderlich, dass man derzeit eine dramatisch steigende Schließungswelle der Apotheken erleben würde, die überall spürbar sei, betonte Elster.

Vor dem Hintergrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation der Apotheken vor Ort mahnte der Kölner Bürgermeister angesichts von Kostendruck, Überbürokratisierung, demografischem Wandel und Fachkräftemangel im Hinblick auf eine sichere und hochwertige Arzneimittelversorgung von Bürgerinnen und Bürgern dringenden politischen Handlungsbedarf an. Dabei hob er hervor, dass die Apotheken täglich zur Daseinsvorsorge der Bürgerinnen und Bürger in besonderer Weise beitragen würden. Ganz besonders das persönliche Beratungsgespräch sei für die Menschen von größter Bedeutung, so Elster.

Schließungswelle zur Mitte des Jahres nochmal höher 

Thomas Preis, Vorsitzender der Apothekerverbände Köln und Nordrhein, knüpfte in seiner Rede an die Ausführungen von Dr. Elster an: „Die Folge der Vernachlässigung, Apotheken nicht entsprechend den allgemeinen Preis- und Kostensteigerungen zu honorieren, sind immer mehr Apothekenschließungen“, sagte Preis. Nach einem wahren Schließungstsunami im letzten Jahr, noch nie hätten seit 1945 so viel Apotheken in einem Jahr für immer schließen müssen, deute sich in diesem Jahr noch Schlimmeres an. So verzeichne man zur Mitte des Jahres allein im Verbandsgebiet in Nordrhein eine noch einmal um 50% höhere Schließungszahl der Apotheken.  Bereits 41  Kommunen (Kreise/Städte) in Nordrhein hätten aktuell nur noch eine Apotheke. Die Gefahr der Unterversorgung steige mit jeder Schließung und sei regional auch schon dort spürbar, wo es bereits gar keine Apotheke mehr gäbe, so Preis.

Bundesregierung überschreitet rote Linien zu Lasten der Versorgungssicherheit

Preis ging tagesaktuell auch auf den am Nachmittag erneut „exklusiv“ über die FAZ „durchgestochenen“ Referentenentwurf zur Apothekenreform ein. Die Art und Weise der Veröffentlichung bezeichnete Preis als „unlauteren Politikstil“ gegenüber der stets dialogbereiteten Apothekerschaft. Zum Gesetzesvorhaben stellte Preis klar: „Apotheken ohne Apotheker zu etablieren, sei ein völlig inakzeptables Kernziel Lauterbachs in diesem Gesetz, so Preis. Das lasse die Arzneimittel- und Gesundheitsversorgungssicherheit der Menschen in unserem Land vollkommen außer Acht und stößt auf unseren erbitterten Widerstand“, sagte Preis. „Hier überschreitet die Bundesregierung rote Linien, wo wir auch in Verantwortung für die Gesundheit der Menschen in unserem Land keinerlei Handlungsspielräume für Kompromisse sehen und auch nicht machen werden. Unsere heil- und freiberufliche Brandmauer wird da unumstößlich bleiben und nicht weichen“, so Preis.

Gesetzesvorhaben stößt auf erheblichen Widerstand

Zum Status des Gesetzesvorhabens konstatierte Preis, dass es offensichtlich noch keine Einigkeit mit den beteiligten Ministerien der Ampelregierung in dieser Angelegenheit gäbe und die Befassung im Kabinett mit dem Apothekenreformgesetz immer wieder verschoben werde. Zusätzlich habe sich, so Preis weiter, auch der führende Gesundheitspolitiker des Ampelpartners der FDP-Fraktion im Bundestag Professor Andrew Ullmann gegen die Ersetzung der Apothekenleitungen durch Pharmazeutisch-Technische-Assistenten gestellt. Auch viele andere Gesundheitsexperten würden die sichere Arzneimittelversorgung massiv gefährdet sehen und warnten im Interesse der Sicherheit von PatientInnen vor diesen „Behelfsapotheken“ ohne ausgebildete PharmazeutInnen. „Schließlich möchte auch niemand in einer Arztpraxis ohne Arzt behandelt werden oder in einem Flugzeug ohne ausgebildeten Piloten fliegen“, verdeutlichte Preis.