Geschäftsbericht 2018/2019

Vorwort

Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren,

wir blicken auf ein ereignisreiches Jahr 2018 zurück. Für unseren Berufsstand hat es vor allem gegen Jahresende mit den vorgelegten Eckpunkten von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für eine Reform der Arzneimittelversorgung nochmal ganz besonders Fahrt aufgenommen. Und im April diesen Jahres  wurden  die ursprünglichen Eckpunkte vom Gesundheitsministerium zu einem Referentenentwurf „eines Gesetzes zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken“ weiterentwickelt.

Auch wenn positive Ansätze und Chancen für eine längerfristige Sicherung der flächendeckenden Versorgung mit Arzneimitteln und eine Verbesserung der Ver-sorgungssituation von Patienten im Referentenentwurf des Gesetzes enthalten sind, so gibt es aber auch sehr problematische Punkte und Risiken, die sich vor allem  auf  den  Umgang  mit  (ausländischen)  Arzneimittelversendern  beziehen.  
Zunächst positiv zu bewerten sind:

  • die geplante Stützung des Nacht- und Notdienstfonds und die bessere  Vergütung bei der Versorgung mit Betäubungsmitteln;
  • die vorgeschlagenen – aber leider in der Summe nicht ausreichenden –  zusätzlichen Mittel für die Einführung von pharmazeutischen Dienstleis-tungen, mit denen dringender Versorgungsbedarf der Bevölkerung im  Bereich Arzneimitteltherapiesicherheit und Prävention durch niederschwellige Angebote der Apotheken gedeckt werden kann;
  • die auch von der Apothekerschaft geteilte Zielvorstellung, dass nur die  Präsenzapotheke die Regelversorgung sicherstellen kann und der Versand-handel lediglich als begrenzte Zusatzversorgung zu sehen ist.

Negativ zu bewerten sind:

  • der Verzicht auf ein Rx-Versandverbot, das im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vereinbart ist. Sollte die Gleichpreisigkeit in diesem Bereich nicht im Sinne einer rechtssicheren Stärkung der öffentlichen Apotheken erfolgen, muss das als partielle Abkehr des Gesetzgebers vom Prinzip ein-heitlicher Abgabepreise verstanden werden. Hier gilt es festzustellen: Da dieses Prinzip bei uns Apothekern quasi die Funktion einer Honorarord-nung hat, wie sie auch bei anderen Freiberuflern wie Ärzten, Juristen oder Steuerberatern gelten, ist dies nicht verhandelbar;
  • die daraus resultierende Frage, inwieweit die geplanten Regeln zur Wieder-herstellung der Gleichpreisigkeit im Rx-Bereich rechtssicher gestaltet und in der Praxis wirksam durchgesetzt werden können.

          
Jetzt kommt es darauf an, das Gesetzgebungsverfahren in diesem Jahr aktiv zu begleiten, zu konkretisieren und wenn es sein muss, vehement zu intervenieren, um etwaige Weichenstellungen zu verhindern, die entgegen des Titels des Referentenentwurfes „Apothekenstärkungsgesetz“ zu einer erheblichen Schwächung der öffentlichen Apotheken führt.

An dieser Stelle möchte ich rückblickend noch einige weitere wesentliche Ereignisse, die die Apothekerschaft in Nordrhein im vergangenen Jahr betroffen und bewegt haben, betrachten.

Besonderer Schwerpunkt unserer Tätigkeit war wie auch schon in den Jahren zuvor das Thema der Nachwuchsförderung in unserem Berufsstand und in den Berufen in der Apotheke. So konnten wir bereits zum fünften Mal junge Apothekerinnen und Apotheker zum Thema „Erfolgreich in die Selbständigkeit starten“ einladen und damit unsere gemeinsame Initiative mit anderen Partnern im Gesundheitswesen in NRW erfolgreich fortsetzen. Beispielhaft für unser Engagement hinsichtlich der Ausbildungsförderung von PTA stehen die Aktivitäten des PTA-Fördervereins Nordrhein. So sind neben der jährlichen Ausschreibung des PTA-Förderpreises an allen PTA-Schulen in Nordrhein auch Fördergelder in der Gesamtsumme von 10.000 Euro zu Förderungszwecken bewilligt worden (siehe dazu auch „Bericht des PTA-Fördervereins“, S. 48).

Als besonderen Erfolg unserer konsequenten Lobbyarbeit werten wir die seit 01.09.2018 rückwirkend geltende Deutliche Schulgeldentlastung für PTA in NRW: Denn mit Verweis auf die im Koalitionsvertrag der Bundesregierung festgelegte Zielsetzung, das Schulgeld für medizinische Ausbildungsberufe wie PTA, Physiotherapeut oder Logopäde abzuschaffen, hat NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann bereits im August 2018 die Initiative ergriffen und umgesetzt, dass 70 Prozent des Schulgeldes rückwirkend zum 01.09.2018 erstattet werden.

Aber nicht nur junge Apothekerinnen und Apotheker und PTA waren Ziel unserer Verstärkung der Nachwuchsinitiative im vergangenen Jahr: Unsere Apotheken brauchen ebenso gut ausgebildete PKA. Daher haben wir im engen Schulter-schluss mit den Kammerkollegen in Nordrhein im Herbst 2018 die erfolgreiche und über die Landesgrenzen hinaus stark beachtete Nachwuchsinitiative „Arbeitsplatz Apotheke: Eine gesunde Entscheidung“ weiter verstärkt (siehe dazu „Jahr im Überblick“, September 2018, S. 69).

Die Kernkompetenz unserer Verbandsarbeit ist die Vertragsarbeit mit den Krankenkassen auf Bundes- und Landesebene. So konnte im Dezember des letzten Jahres nach langjährigen Verhandlungen der Rahmenvertrag über die Arzneimittelversorgung und zur Hilfstaxe abgeschlossen werden. Der geänderte Rahmenvertrag, der zum 1. Juli 2019 in Kraft treten soll, bringt uns in vielen Punkten mehr Klarheit und Sicherheit. Er beugt so Retaxationen aufgrund bisheriger vertraglicher Unklarheiten besser vor. Die Hilfstaxe enthält endlich eine längst überfällige Anpassung der Preise von Ausgangsstoffen für Rezepturen. Die neuen Preise gelten bereits seit dem 1. Januar diesen Jahres (siehe dazu auch „Bericht Vertragsausschuss“, S.36).

Vorreiterrolle bei der Digitalisierung und sicheren  Arzneimittelversorgung
Wir leben momentan in einer aufregenden Zeit des pharmazeutischen Fortschritts und der Weiterentwicklung der Arzneimittelversorgung durch die öffentlichen Apotheken – verbunden mit der Herausforderung einer zunehmenden Digitalisierung im Gesundheitswesen. Diese Herausforderung nimmt die Apothekerschaft nicht nur an, sondern gestaltet dort wo nötig und sinnvoll sogar in einer Vorreiterrolle aktiv mit. Die Mitgliedschaft des Apothekerverbandes Nordrhein e.V. in Gremien auf Landesebene wie der ARGE eGK/HBA-NRW sind ein sichtbares Zeichen dafür. Auf der Bundesebene arbeiten wir in enger Abstimmung mit der Ärzteschaft und dem Gesetzgeber an Konzepten zur Einführung des elektronischen Rezepts. Im Zuge dessen fordern wir unverzichtbare Regeln ein, die auch nach Einführung des elektronischen Rezeptes die flächendeckende und sichere Arzneimittelversorgung durch öffentliche Apotheken gewährleisten.

Den Verband als modernen Dienstleister mitgliederorientiert weiterentwickeln
Trotz der weiter abnehmenden Anzahl an Apothekenbetrieben konnte der hohe Organisationsgrad des Apothekerverbandes Nordrhein e.V. von 97,2 Prozent weiter gefestigt werden. Der sehr hohe Mitgliederbestand bedeutet für den Apothekerverband Nordrhein e.V. auch, das von den Mitgliedern in die Arbeit ihres Verbandes gesetzte Vertrauen in Zukunft weiter zu festigen. Er bleibt daher Verpflichtung und Ansporn zugleich, den Verband als Interessenvertretung gegenüber Politik, Krankenkassen und Öffentlichkeit unter immer härter wer-denden Rahmen- und Wettbewerbsbedingungen zukunftsorientiert weiterzuentwickeln. Dabei hat der Apothekerverband Nordrhein e.V. in seiner Funktion als Spitzenorganisation der selbständigen ApothekerInnen eine ganz besondere Vertrauensposition bei den zu vertretenden Mitgliedern und den Partnern der Apothekerschaft im Gesundheitswesen in Nordrhein-Westfalen und darüber hi-naus, der er mit seiner täglichen Arbeit Tag für Tag rechtfertigen muss und will.

Ganz besonders trägt dazu auch die hohe Dienstleistungs- und Serviceorien-tierung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle in der Tersteegenstraße bei. Ein wichtiges Ziel unseres engagierten Teams dort ist: Sie und Ihre Apothekenteams vom zunehmenden Bürokratismus im Arzneimittel- und Gesundheitsmarkt zu entlasten und gesuchter Ansprechpartner für unsere Partner im Gesundheitswesen zu sein. Jede Woche erreichen die Geschäftsstelle allein fast 1.000 Anfragen zu Arzneimitteln und Hilfsmitteln. Und in der Clearingstelle sind es aktuell sogar bis zu 1.400 bearbeitete Vorgänge pro Woche, die dann mit den Krankenkassen abgewickelt werden.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren,

mit diesem Geschäftsbericht stellen wir die Aktivitäten des Verbandes im Berichts-zeitraum übersichtlich und transparent dar. Er gibt auch einen Überblick über die vielfältigen Herausforderungen, denen sich der Verband mit seinen Mitgliedern im Berichtsjahr gestellt sah und zurzeit sieht. Aus aktuellem Anlass – insbesondere aufgrund des Gesetzgebungsverfahrens zur Reform der Arzneimittelversorgung – haben wir den Berichtszeitraum in wesentlichen Punkten hinsichtlich der redaktionellen Inhalte bis zum 30.04.2019 erweitert. Die Vorlage dieses Geschäftsberichtes gibt mir abschließend die Gelegenheit, all denjenigen zu danken, die die Arbeit des Apothekerverbandes Nordrhein e.V. unterstützen und mit dazu beitragen, dass die öffentlichen Apotheken in Nord-rhein ihren gesetzlichen Auftrag einer ordnungsgemäßen Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln nach wie vor sachgerecht und patientenorientiert erfüllen können.


Thomas Preis
Vorsitzender des Apothekerverbandes Nordrhein e.V.