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09.11.2018

Spitzenvertreter aus Apotheker- und Ärzteschaft, Sachverständige aus der Gesundheitsökonomie, Patientenvertreter und Fachpublikum waren sich einig: Eine Stärkung der Apotheken als wichtige Säule in der medizinischen Notfallversorgung würde nicht nur die immer stärker in Anspruch genommenen Notfall-Anlaufstellen deutlich entlasten, sondern hätte auch Vorteile aus Patientensicht.

Einen grundlegenden Impuls für die Podiumsdiskussion zum Thema „Selbstmedikation über Apotheken im Nacht- und Notdienst - wichtige Säule in der Notdienstversorgung“ lieferte der Gesundheitsökonom Prof. Uwe May mit seinen Ausführungen. Darin rückte er die grundlegende Bedeutung der Apotheken bei der medizinischen Notfallversorgung in den Mittelpunkt. Unter Verweis auf ein im letzten Jahr im Krankenhausreport veröffentlichtes Schaubild des G-BA übte er scharfe Kritik, dass man Apotheken gesundheitspolitisch nicht angemessen berücksichtige. Dabei verfügten sie heute bereits über eine hervorragende flächendeckende Infrastruktur, die eine Dichte vorweise, wie keine andere ambulante Anlaufstelle im Gesundheitssystem. „Wo Heimat ist, ist immer auch eine Apotheke,“ betonte May. Aus seiner Sicht sollte eine Honorarreform die Abwicklung von Notfällen speziell und adäquat berücksichtigen.

Gleichpreisigkeit bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln erneut eingefordert
Thomas Preis, Vorsitzender Apothekerverband Nordrhein e.V., unterstützte diese These und forderte eine dringende Erhöhung des Nacht- und Notdienstfonds. Gleichzeitig betonte Preis, um einer solchen auch gesellschaftlicher Sicht herausragend bedeutsamen Gemeinwohlpflicht wie dem Nacht- und Notdienst nachzukommen, müsse der Rx-Bereich als wirtschaftliches Standbein in der Apotheke gestärkt und die Gleichpreisigkeit nach dem EuGH-Urteil dringend wiederhergestellt werden. Lutz Engelen, Präsident der Apothekerkammer Nordrhein pflichtete dem bei und verwies darauf, dass immer mehr chronisch Kranke den Versandhandel zu Lasten des Solidarsystems und auf Kosten der öffentlichen Apotheken nutzten. Beide Apothekervertreter erinnerten die Bundesregierung an das im Koalitionsvertrag festgelegte Ziel, die flächendeckende Versorgung zu stärken und sich daher auch für ein Rx-Versandverbot einzusetzen.

Konzepte auf Augenhöhe mit Ärzteschaft entwickeln
Als Ärztevertreter ließ Dr. med. Carsten König, stv. Vorsitzender der KV Nordrhein, keinen Zweifel daran, dass den Apotheken bereits heute in der Notfallversorgung eine wichtige Bedeutung zukommt und dadurch auch ambulante medizinische Anlaufstellen entlasten. Es fehle an der Weiterführung abgestimmter Konzepte und die sinnvolle Einbindung von Apotheken. Hier seien intelligente Lösungen gefragt, die mit der Apothekerschaft gemeinsam auf Augenhöhe entwickelt werden müssten. Insbesondere auch die heilberufliche Beratungsleistung der Apotheker in der Selbstmedikation bezeichnete König als „extrem wertvolles Mittel“, das besonders honoriert werden müsste. Vor dem Hintergrund der hohen Fachlickeit der pharmazeutischen Beratungsleistung der Apotheken wertete König die Ausdehnung des Versandhandels als kritisch.

Patientenvertreter weist auf wachsenden Beratungsbedarf hin
Martin Hadder, Vorsitzender des NRW-Landesverbandes „Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabestes“, betonte als Patienten-Vertreter einer ständig wachsenden Zahl chronisch Kranker, dass man Apotheken allein schon aufgrund ihrer Ortsnähe besser nutzen müsse. In diesen Zusammenhang wies er auf einen steigenden Bedarf an persönlicher Beratung aufgrund von Multimedikation hin. Gerade für chronisch Kranke sei dies unerlässlich, ebenso wie eine adäquate Honorierung für die apothekerliche Beratungsleistung.

Suchtpräventive Verantwortung der Apotheker ist groß
Eine Premiere in diesem Rahmen stellt auch die aktuelle Bestandsaufnahme des Themas „Selbstmedikation und Arzneimittelmissbrauch“ dar. Der Mitautor des aktuellen „Leitfadens zum Arzneimittelmissbrauch“ der Bundesapothekerkammer und Geschäftsstellenleiter der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK), Dr. André Said, rückte dabei auch die suchtpräventive Verantwortung der Apotheker in den Fokus. Dabei zeigte er auch auf, dass die Apotheke gerade in der Selbstmedikation als letzte Fachinstanz vor der Arzneimitteleinnahme eine Schlüsselposition innehabe.  

Zweifelhafte Online-Angebote im Grenzbereich von Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneimitteln
Zum ersten Mal war auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit auf einer Veranstaltung der Apothekerschaft vertreten. In ihrem spannenden Vortrag beschäftigte sich Frau Dr. Evelyn Breitweg-Lehmann, Apothekerin und Leiterin des Referates Grundsatzangelegenheiten und Lebensmittel, mit den zahlreichen und oft sehr zweifelhaften Onlineangeboten im Grenzbereich von Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneimitteln. Sie stellte dabei auch anschaulich dar, wie konsequent ihre Behörde vorgehen muss, um den aktuellen Herausforderungen hinsichtlich potenziell gesundheitsgefährdender Online-Angebote effektiv begegnen zu können. 

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29.10.2018

Der OTC-Gipfel am 08.11.2018 in Düsseldorf kann mit zahlreichen Premieren aufwarten und wird insbesondere den Apothekerinnen und Apothekern neue Erkenntnisse für ihre Königsdisziplin Selbstmedikation liefern.

So werden erstmalig von Prof. Dr. Uwe May anlässlich dieser Veranstaltung gesundheitsökonomische Erkenntnisse zur Selbstmedikation im Nacht- und Notdienst präsentiert und in einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion auch unter Beteiligung von Ärzteschaft und Patientenvertretern diskutiert.

Eine Premiere in diesem Rahmen stellt auch die aktuelle Bestandsaufnahme des Themas „Selbstmedikation und Arzneimittelmissbrauch“ dar. Der Mitautor des aktuellen „Leitfadens zum Arzneimittelmissbrauch“ der Bundesapothekerkammer und Geschäftsstellenleiter der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK), Dr. Andre Said, rückt dabei auch die suchtpräventive Verantwortung der Apotheker in den Fokus.

Zum ersten Mal ist auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit auf einer Veranstaltung der Apothekerschaft vertreten. In ihrem mit Spannung erwarteten Vortrag wird sich Frau Dr. Evelyn Breitweg-Lehmann mit den zahlreichen und oft sehr zweifelhaften Onlineangeboten im Grenzbereich von Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneimitteln beschäftigen.  

„Wir freuen uns auf eine spannende Veranstaltung mit neuen Impulsen und Erkenntnissen für unsere Königsdisziplin, die Selbstmedikation. Denn nur wir in unseren Apotheken vor Ort garantieren patientenindividuell in der persönlichen Beratung von Angesicht zu Angesicht als letzte Fachinstanz vor der Arzneimitteleinnahme die Sicherungsfunktion bei nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln“, so Thomas Preis, Vorsitzender Apothekerverband Nordrhein e.V.

Die bundesweite Netzwerk- und Dialogveranstaltung findet in Kooperation mit der Pharmazeutischen Zeitung, dem Wort & Bild Verlag sowie der Deutschen Apotheker Zeitung statt.

Eckdaten auf einen Blick:
Veranstaltungsort: Maritim Airport Hotel in Düsseldorf
Datum: Donnerstag, 08.11.2018
Beginn: 11.00 Uhr
Check-in / Begrüßungskaffee: 10.15 Uhr
Ende: ca. 15.30 Uhr
Programmablauf und Anmeldung unter:
www.av-nr.de/otc-gipfel

Der OTC-Gipfel ist eine Initiative des Apothekerverbandes Nordrhein e.V. zum Stellenwert der Selbstmedikation im Gesundheitswesen. Seit 2013 werden auf dieser bundesweit einzigen Kongresstagesveranstaltung zu diesem Thema richtungsweisende Analysen präsentiert, praxisorientierte Impulse gegeben und Zukunftschancen für die öffentlichen Apotheken im Bereich Selbstmedikation aufgezeigt.

08.10.2018

Der Apothekerverband Nordrhein e.V. setzt mit dem OTC-Gipfel am 08.11.2018 in Düsseldorf seine Initiative zum Stellenwert der Selbstmedikation im Gesundheitswesen fort. Auf dieser bundesweit einzigen Kongresstagesveranstaltung zu diesem Thema werden richtungsweisende Analysen präsentiert, praxisorientierte Impulse gegeben und Zukunftschancen für die öffentlichen Apotheken im Bereich Selbstmedikation aufgezeigt.

„Mit dem 6. OTC-Gipfel werden wir die große Bedeutung der Selbstmedikation über die Apotheken in der Arzneimittelversorgung für das Gesundheitswesen auch mit Unterstützung von hochkarätigen Referenten und Diskutanten anschaulich verdeutlichen“, so Thomas Preis, Vorsitzender Apothekerverband Nordrhein e.V.

Prof. Dr. Uwe May, Hochschule Fresenius, wird dabei erstmalig anlässlich dieser Veranstaltung gesundheitsökonomische Erkenntnisse zur Selbstmedikation im Nacht- und Notdienst präsentieren. Unter Berücksichtigung der Rolle der Apotheken als wichtige Säule in der Notfallversorgung werden die Ergebnisse in einer anschließenden Podiumsdiskussion mit Ärzte- und Patientenvertretern aus verschiedenen Perspektiven analysiert.    

Experten der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker sowie vom Bundesamt für Verbraucherschutz bilden mit ihren Vorträgen zu den Themen „Selbstmedikation und Arzneimittelmissbrauch“ sowie „Gefahren beim Online-Kauf dubioser Mittel“ weitere Programmhöhepunkte.

Die bundesweite Netzwerk- und Dialogveranstaltung findet in Kooperation mit der Pharmazeutischen Zeitung, dem Wort & Bild Verlag sowie der Deutschen Apotheker Zeitung statt.

Eckdaten auf einen Blick:
Veranstaltungsort: Maritim Airport Hotel in Düsseldorf
Datum: Donnerstag, 08.11.2018
Beginn: 11.00 Uhr
Check-in / Begrüßungskaffee: 10.15 Uhr
Ende: ca. 15.30 Uhr
Programmablauf und Anmeldung unter:
www.av-nr.de/otc-gipfel

06.09.2018

Folgen des EuGH-Urteils: Bundesgesundheitsministerium arbeitet an konkreten Lösungen für faire Wettbewerbsbedingungen

Die parlamentarische Staatssekretärin aus dem Bundesgesundheitsministerium, Sabine Weiss (MdB), bekräftigte in ihrer Rede auf dem Sommerempfang des Apothekerverbandes Nordrhein e.V. am 05.09.2018 in Düsseldorf den festen Willen, die durch das EuGH-Urteil aus 2016 zur Arzneimittelpreisbindung ausgelösten unfairen Wettbewerbsbedingungen für die öffentlichen Apotheken auszuräumen. Im Bundesgesundheitsministerium werde an konkreten Lösungen gearbeitet, wie Ungleichheiten beseitigt werden können, betonte Weiss vor über 100 hochkarätigen Gästen aus dem Gesundheitswesen, darunter Politiker aus Bundes- und Landtag, Vertreter der Ärzteschaft, Krankenkassen, des Pharmazeutischen Großhandels und der Arzneimittelhersteller. Diese Lösungen wolle man in den nächsten Wochen präsentieren.  

Staatssekretärin Sabine Weiss hob in ihrer Rede immer wieder die große Bedeutung der Apotheken vor Ort hervor. Diese seien ein Stück Heimat und darauf könne man nicht verzichten. Dabei dankte sie den Apotheken ausdrücklich für ihren täglichen Einsatz bei der Arzneimittelversorgung auch außerhalb der üblichen Geschäftszeiten. Ferner lobte Weiss das langjährige Engagement der Apothekerschaft der seit nunmehr zehn Jahren bestehenden bundesweiten Initiative „Aktionsplan AMTS“. Dabei seien viele Maßnahmen auf den Weg gebracht worden und die Apotheker hätten hier bedeutende Beiträge geleistet. Mit Blick auf die künftigen Rahmenbedingungen für die Versorgung verwies Weiss auf das E-Health-Gesetz. Damit seien die Weichen gestellt worden, die Chancen neuer Technologien zu nutzen und Möglichkeiten da anzuwenden, wo es für die Menschen am sinnvollsten sei. In diesem Zusammenhang wies sie auch auf die geplante Einführung des elektronischen Medikationsplans Mitte nächsten Jahres hin. Die Staatssekretärin ließ keinen Zweifel daran, dass Apotheken vor Ort hier aktiv eingebunden werden müssten, denn sie hätten den Überblick der gesamten Medikation von verschreibungspflichtigen und selbst gekauften Arzneimitteln. Auch aus diesem Grund müsste die Anbindung an die Telematik-Infrastruktur der Apotheken sichergestellt werden. Außerdem nahm Weiss zur PTA-Ausbildung Stellung. In Anbetracht des veränderten Berufsbildes müssten hier Anpassungen vorgenommen werden. Das gemeinsame Ziel bestehe darin, die Kompetenz zu erhalten und die PTA’s fit für die Zukunft zu machen.

Gleichpreisigkeit muss wiederhergestellt werden

Der Vorsitzende des Apothekerverbandes Nordrhein e.V. Thomas Preis begrüßte die Aktivitäten des Bundesgesundheitsministeriums, endlich gemäß der klaren Positionierung der Bundesregierung im Koalitionsvertrag, den Rx-Versandhandel zu verbieten, für faire Wettbewerbsbedingungen zu sorgen ausdrücklich. „Die für ein funktionierendes Apothekenwesen notwendige Gleichpreisigkeit, die durch das unsägliche EuGH-Urteil vom Oktober 2016 handstreichartig aufgehoben wurde, muss wiederhergestellt werden“, betonte Preis.

Auch beim Thema Honorierung mahnte Preis dringenden Handlungsbedarf an. Um den gesetzlichen Versorgungsauftrag zu erfüllen, seien Planungssicherheit und verträgliche finanzielle Rahmenbedingungen für Apotheken unabdingbar.
Aber lediglich eine einzige Minimalsterhöhung des Honorars von 3% in nunmehr fast 15 Jahren reichten betriebswirtschaftlich bei immer mehr Mitgliedsapotheken nicht aus, um die stetig gestiegenen pharmazeutischen und regulatorischen Anforderungen sowie stetig steigende Kosten und Personalkosten zu decken“, verdeutlichte Preis mit Nachdruck.

Zusätzlich benötige man weitere neue Elemente der Honorierung zum Beispiel im Bereich des Medikationsmanagements. Dazu müsse im SGB V endlich die Möglichkeit eröffnet werden, dass die Apothekerverbände auf Bundes- und Landesebene rechtssichere Dienstleistungsverträge zum Medikationsmanagement mit den Gesetzlichen Krankenkassen schließen könnten.

Zur von der Staatssekretärin Weiss nochmals seitens der Bundesgesundheitspolitik bekräftigten künftigen aktiven Einbindung der Apotheken beim elektronischen Medikationsplan stellte Preis klar, dass Apotheken dafür eine entsprechende Honorierung benötigten.

PTA-Ausbildung muss schulgeldfrei sein

Auch dass Minister Spahn angekündigt habe, konkrete Vorschläge zu einer Neuordnung der PTA-Ausbildung und der im Koalitionsvertrag angekündigten Schulgeldfreiheit zu machen, begrüße Preis. Einer entsprechenden Diskussion zu einer Neugestaltung der Ausbildung stelle sich der Berufsstand in aller Offenheit, so Preis. Eins habe dabei aber eine essentielle Bedeutung: Die jetzt schon hohe Qualität der Ausbildung von PTAs dürfe im Interesse der jungen Berufseinsteiger und im Interesse der öffentlichen Apotheken, dem zentralen Tätigkeitsfeld von PTAs, in keinem Fall leiden. „Die Schulgeldfreiheit ist der richtige Weg, junge Menschen, die sich für den Gesundheitsberuf PTA entscheiden, finanziell nicht gegenüber anderen Berufen, Gesundheitsberufen, zu benachteiligen“ so Preis. In diesem Zusammenhang begrüßte Preis, dass in NRW Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann bis zur Umsetzung auf Bundesebene schon vorab ein Förderkonzept zur Erleichterung bei den Schulgeldern für PTAs angekündigt hat.

Klarstellung beim Referentenentwurf zum TSVG unabdingbar

Zum aktuellen Referenten-Entwurf eines Gesetzes für schnellere Termine und bessere Versorgung, kurz TSVG, habe man über die ABDA schon die Stellungnahme abgegeben. Preis betonte, dass in Bezug auf die Sicherung der Großhandelsmarge, eine Klarstellung erfolgen müsse, um spätere Fehlinterpretationen zu vermeiden: „Handelsübliche Skonti, die für die Einhaltung von Zahlungszielen gewährt werden dürfen, müssen bezogen auf den gesamten Apothekeneinkaufspreis zulässig bleiben“, so Preis. Denn Rabatte und Skonti seien unterschiedlichen Regelungskreisen zuzuordnen und dürften nicht gleichbehandelt werden. Auch bedürfe es noch Klarstellungen im Bereich der Impfstoffausschreibungen.

Nicht enden wollende Lieferprobleme erfordern konsequentes Vorgehen der Politik

Preis verwies in seiner Rede auch darauf, wie schwierig es insbesondere in den letzten Wochen für die Apotheken und deren Teams in den Apotheken es mittlerweile geworden sei, die ordnungsgemäße Versorgung mit Arzneimitteln für Patientinnen und Patienten sicherzustellen. Nicht enden wollende Lieferprobleme bei Arzneimitteln, von Anaphylaxie Notfallsets bei Wespenstichen bis Tollwut-Impfstoffen und zahlreichen Rabattpartnern der Krankenkassen, und jüngst Arzneimittelskandale wie Valsartan und Lunapharm erschwerten die Arbeit in den Apotheken in einer oft schon unerträglichen Art und Weise. Man klage nicht, mache sich aber ernsthaft Sorgen über das was da noch kommen kann, wenn hier nicht engagiert gegengesteuert werde. Preis appellierte an die Politik, dass hier dringender Handlungsbedarf bestehe: „Einem weiter so, dass die Nebenwirkungen von Ökonomisierung und Kommerzialisierung in unserem Gesundheitssystem zu Lasten der Patienten und auf Kosten der versorgenden Apotheken billigend in Kauf nimmt, können wir nicht weiter tatenlos zusehen“, stellte Preis klar. Preis begrüßte, dass Minister Spahn hier in ersten öffentlichen Einschätzungen auch bereits Handlungsbedarf bekundet hatte.

Apothekerschaft engagiert sich für E-Rezept

Abschließend wies Preis darauf hin, dass man als Apothekerschaft ein eigenes E-Rezept in die Diskussion und an den Start zu bringen wolle. Dabei wolle man als zentraler Player auf diesem Gebiet mit Unterstützung der Apothekenrechenzentren und Apothekensoftwareanbieter in einem ersten Schritt die Machbarkeit des e-Rezeptes aufzeigen und in einem Modellprojekt zur Anwendung bringen. Dabei seien aus Apothekersicht zwei Punkte besonders wichtig. Das Projekt solle weiterhin mit der Telematik-Infrastruktur der Gematik kompatibel sein und die freie Apothekenwahl für Patientinnen und Patienten müsse, wie heute schon gewährleistet, auch weiterhin uneingeschränkt erhalten bleiben.

31.07.2018

Diesen Termin sollten Sie sich vormerken!

Mit dem OTC-Gipfel findet am 8. November 2018, ab 10.15 Uhr, im Maritim Hotel Düsseldorf, die Kongressveranstaltung zur Selbstmedikation im Gesundheitswesen statt. Die vom Apothekerverband Nordrhein e.V. gestartete Initiative zum Stellenwert der Selbstmedikation im Gesundheitswesen hat sich seit seiner Premiere im Jahr 2013 als unverwechselbare Marke im Apothekenmarkt erfolgreich etabliert.

Auch in diesem Jahr dient die als interaktive Dialogplattform konzipierte Veranstaltung dazu, in inhaltlich klar fokussierter Form und mit der Unterstützung hochkarätiger Referenten neue Erkenntnisse zum Thema „OTC-Arzneimittel“ zu präsentieren und zu diskutieren. Das Ziel besteht darin, den hohen Stellenwert der Selbstmedikation in der Arzneimittelversorgung und in den Apotheken zu untermauern und dabei auch die bedeutende Rolle der Apotheker bei diesem Thema zu verdeutlichen.

Weitere Informationen zum Programm sowie eine Einladung erhalten Sie rechtzeitig.

24.07.2018

Apothekerverband Nordrhein war als exklusiver Gesundheitspartner am Start

Die 10. NRW-Radtour führte die rund 1.300 Teilnehmer vom 19. bis zum 22. Juli 2018 etwa 240 Kilometer durch das Rheinland von Kerpen, über Köln nach Bonn und zurück zum Startpunkt Kerpen. Der Apothekerverband Nordrhein e.V. war als exklusiver Gesundheitspartner an den Etappenzielen in Köln und Bonn jeweils mit einem Informations- und Beratungsstand vertreten. Die Gesundheits- und Präventionschecks stießen auf eine sehr positive Resonanz. Abgerundet wurde das Rad-Event mit einem großen WDR 4-Bühnenprogramm: in Köln mit einem Konzert der Kölner Kultband Brings, und in Bonn sorgte die britische Sängerin Kim Wilde für Stimmung.

Nach knapp 60 Kilometern endete die erste Etappe der viertägigen Radtour in Köln am Schokoladenmuseum. Dort erwartete die Teilnehmer eine begleitende Ausstellung, auf der der Apothekerverband Nordrhein e.V. als exklusiver Gesundheitspartner mit einem eigenen Informations- und Beratungsstand vertreten war. Unter dem Motto „Die Apotheke – immer für Sie da“ führte das pharmazeutische Team ausgewählte Gesundheitschecks durch. Bei sommerlich warmen Temperaturen waren nach der Radtour vor allem die Blutdruckmessungen sehr gefragt. Da der Blutdruck nicht selten erhöht war, wurde er zu einem späteren Zeitpunkt ein weiteres Mal kontrolliert. Waren die Werte bei der zweiten Messung erneut zu hoch, gab das pharmazeutische Team wertvolle Ratschläge und riet den Patienten mitunter zu einem Arztbesuch.

Großes Besucherinteresse am Apothekerstand – Pharmazeutische Kompetenz war sehr gefragt

Viele Besucher nutzen die Präsenz der Apotheker, um das in Anspruch zu nehmen, was nur die Apotheken vor Ort leisten können: sich individuell zur ihrer Krankheit beraten zu lassen. Auf diese Weise kamen sehr intensive Gespräche mit dem pharmazeutischen Team zustande, die über die angebotenen Blutdruck- und Blutzuckermessungen hinausgingen. Dabei sorgte der von Weitem bereits sichtbare Messestand – ganz im Zeichen des einzigartigen Markenzeichens der öffentlichen Apotheken, dem roten A –, dass Teilnehmer mit auf der Radtour zugezogenen Verletzungen das Team gezielt um Hilfe baten.

Auch in Bonn, dem zweitem Etappenziel der NRW-Radtour 2018, stieß der Apothekerstand auf großes Besucherinteressse: Einige der Radfahrer, die bereits am Vortag in Köln ihre Werte kontrollieren ließen, nutzten das Präventionsangebot ein weiteres Mal. Insbesondere ältere Teilnehmer suchten das persönliche Gespräch über ihre Krankheit. Vermehrt stark erhöhte Blutzuckerwerte nahm das Team rund um Apothekerin Elke Jungbluth zum Anlass, um die Patienten u.a. auch umfassend über Diabetes aufzuklären.

Elke Jungbluth, die den Stand der Apotheker in Bonn leitete, zog ein positives Fazit: „Mit unserer Teilnahme an der diesjährigen Radtour haben wir auf die Bedeutung der Apotheken vor Ort sowie ihre Gesundheits- und Präventionsleistungen aufmerksam gemacht.“

03.05.2018

„Was Apotheken leisten, kann man nicht im Internet herunterladen“

Der Apothekerverband Essen/Mülheim/Oberhausen e.V. konnte zu seinem traditionellen Mai-Empfang am 02.05.2018 zahlreiche Spitzenvertreter aus Kommunal-, Landes- und Bundespolitik, Rechenzentren und Pharmazeutischem Großhandel begrüßen. Der Essener Oberbürgermeister Thomas Kufen sprach ein Grußwort und Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverbandes Nordrhein e.V., präsentierte einen gesundheitspolitischen Lagebericht.

In seinem Grußwort stellte der Oberbürgermeister der Stadt Essen, Thomas Kufen, zunächst die große Bedeutung seiner Stadt als führenden Gesundheitsstandort in der Region und darüber hinaus heraus. Er betonte, dass man in einigen medizinischen Bereichen längst nationale wie internationale Spitzenplätze belege. In Essen, so Kufen, biete man Spitzenmedizin für alle. Dabei hob er auch die wichtige Bedeutung der Gesundheitsbranche mit mittlerweile 45.000 Arbeitsplätzen als größten Arbeitgeber hervor. Unverzichtbar für die Festigung und den weiteren Ausbau des Gesundheitsstandortes sei die Vernetzung der unterschiedlichen Branchen-Akteure. „Wir können nur erfolgreich sein, wenn wir in Netzwerken arbeiten,“ so Kufen.
 
Darüber hinaus verdeutlichte Kufen, dass zu einem Top-Gesundheitsstandort wie Essen auch eine starke Apothekerschaft gehöre, und zwar in jedem Stadtteil. Dabei betonte der Oberbürgermeister, dass die Leistungen der Apotheken weit über die persönliche Beratung hinaus gingen. Dies verdiene seine Hochachtung. Das könne man sich nicht im Internet herunterladen. „Daher haben Sie mich an Ihrer Seite“, so Kufen.

Politik muss Vorgaben im Koalitionsvertrag zügig umsetzen

Thomas Preis machte seinen gesundheitspolitischen Lagebericht an wesentlichen Eckpunkten im Koalitionsvertrag der Bundesregierung fest. So verwies er erneut auf das im Koalitionsvertrag von Union und SPD vereinbarte Rx-Versandverbot. Davon abzuweichen im Sinne eines nicht durchdachten Umdenkens, wie es zuletzt von einzelnen Unionspolitikern vorgetragen wurde, lehnte Preis ab. Es sei jetzt wichtiger denn je, den massiven Werbefeldzügen ausländischer Versandhändler schnell ein Ende zu setzen. Preis stellte klar: „Weiteres Zuwarten führt unweigerlich zur Zerschlagung unseres funktionierenden Arzneimittelversorgungssystems mit gesetzlich vorgeschriebenen Gemeinwohlverpflichtungen zu Lasten der Schwächsten unserer Gesellschaft - den Alten und Kranken.“

Als weiteren positiven Punkt aus dem Koalitionsvertrag hob Preis die geplante Schulgeldfreiheit für PTA-Schülerinnen und  -Schüler an den PTA-Lehrakademien hervor. Ebenso wie die Schülerinnen und Schüler entlastet werden, werde so gleichzeitig ein stückweit eine bessere Gesundheitsversorgung der Menschen in einer immer älter werdenden Gesellschaft ermöglicht, betonte Preis. Denn die Apotheken vor Ort könnten so schon bald mehr dringend benötigte pharmazeutische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusätzlich einstellen. Zur Digitalisierung, die im Koalitionsvertrag ebenfalls einen Schwerpunkt bildet, stellte Preis fest, dass man beabsichtige, die Digitalisierung im Gesundheitswesen gemeinsam mit der Ärzteschaft sinnvoll und im heilberuflichen Interesse voranzutreiben. Er betonte, Digitalisierung habe lediglich dienenden Charakter und könne niemals die heilberufliche Entscheidung von Ärzten oder Apothekern im persönlichen Kontakt mit dem Patienten ersetzen.

In einem kurzen Ausblick machte Preis deutlich, dass 2018 und 2019 aus Apothekersicht stark digital geprägt seien. Er verwies hier auf die Vorbereitungen und die Einführung von securPharm sowie den elektronischen Medikationsplan. Beim elektronischen Medikationsplan müssten nun die politischen Zusagen eingehalten werden, die Apotheken dabei mit ihrer pharmazeutischen Kompetenz aktiv einzubinden. Abschließend stellte Preis fest, dass im neuen Koalitionsvertrag wesentliche Themen einer sicheren patientengerechten Arzneimittelversorgung in zielführender Richtung aufgegriffen worden seien. „Entscheidend ist jetzt, dass die angekündigten Projekte zügig umgesetzt werden,“ so Preis.

19.04.2018

Versorgungssicherheit stärken, Rx-Versandverbot schnell umsetzen

In seinem Bericht anlässlich der Mitgliederversammlung am 18.04.2018 in Düsseldorf hat der Vorsitzende des Apothekerverbandes Nordrhein, Thomas Preis, nochmals an die Bundesregierung appelliert, das im Koalitionsvertrag festgelegte Rx-Versandverbot schnell umzusetzen, um die flächendeckende Infrastruktur der öffentlichen Apotheken als Maßnahme der Daseinsvorsorge zu stärken. Die Politik müsse sich entscheiden, ob sie die Versorgung weiter auf hohem Niveau sichern oder das bestehende System dem ungezügelten Marktwachstum ausländischer Versandhändler opfern wolle. „Jetzt muss schnellstens gehandelt werden. Denn weiteres Zuwarten führt zu einer noch stärkeren Schieflage in der Versorgung zum Nachteil der auf ein flächendeckendes Apothekensystem angewiesenen Patienten“, so Preis.

Rückblickend auf 2017 machte Preis deutlich, dass das EuGH-Urteil den Berufsstand zu maximaler und geschlossener Gegenwehr herausgefordert habe. Was Öffentlichkeit und Politik offenbar schon verdrängt haben oder stillschweigend ignorieren, rief Preis in seiner Rede nochmals in Erinnerung: „Durch das Urteil wurde die für unsere gemeinwohlorientierte heilberufliche Tätigkeit unerlässliche Gleichpreisigkeit von Arzneimitteln für ausländische Anbieter von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln aufgekündigt. Damit wurde der eindeutige Wille des deutschen Gesetzgebers ausgehebelt und gleichzeitig gerichtliche Entscheidungen der obersten deutschen Gerichte in dieser Sache plötzlich und unerwartet negiert“, so Preis.  Europas höchste Richter hätten in einer bisher nie da gewesenen Art und Weise in ein Politikfeld eingegriffen, das aus guten Gründen gemäß den Europäischen Verträgen den jeweiligen Mitgliedstaaten vorbehalten ist: Der Organisation und Sicherstellung der nationalen Infrastruktur für Gesundheit“, stellte Preis klar.

Schnell sei auch allen neutralen Beobachtern klar gewesen: Ohne schnelle und zügige Gegenmaßnahmen würde die sichere und flächendeckende Infrastruktur der öffentlichen Apotheken unweigerlich den ungezügelten aus dem Ausland auf uns hereinbrechenden Marktkräften zum Opfer fallen. „Die einzig ordnungspolitisch wirksame und konsequente Lösung der Folgen des EuGH-Urteils zur Sicherung des Apothekennetzes besteht daher nach einhelliger Expertenmeinung im Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln“, machte Preis nochmals deutlich. Möge das auch aus Sicht von freiem Warenverkehr und Wettbewerb in Europa schwerfallen. Aber Arzneimittel seien Waren der besonderen Art und entscheidend ist, den sicheren Rund-um-die-Uhr-Zugang zu einer umfassenden Arzneimittelversorgung als Kernleistung eines funktionierenden Gesundheitssystems in unserem Land sicherzustellen,“ so Preis.

Schulgeldfreiheit für PTA stärkt Apotheken vor Ort

Neben dem Rx-Versandverbot enthalte der Koalitionsvertrag, so Preis weiter, noch weitere wichtige Forderungen, für die man sich auch auf Landesebene gemeinsam mit dem Schwesterverband in Westfalen-Lippe und den beiden Apothekerkammern in NRW konsequent eingesetzt habe. Dazu gehöre insbesondere auch die Schulgeldfreiheit für PTA-Schülerinnen und  -Schüler an den PTA-Lehrakademien. Die Koalitionäre wollen die Ausbildung der Gesundheitsfachberufe, zu denen auch PTA’s gehören, neu ordnen und stärken. Wie für die Pflegeberufe bereits beschlossen, soll das Schulgeld auch im Bereich der Ausbildung von allen Gesundheitsfachberufen wegfallen.

Gerade dadurch, dass die abgewählte rotgrüne Landesregierung in NRW seit Jahren die finanzielle Unterstützung der PTA-Schüler/innen vollkommen und ersatzlos gestrichen habe, müsse jede Schülerin und jeder Schüler jährlich teilweise fast bis zu 5000 Euro Schulgeld aufbringen. Das sei kaum zu glauben, so Preis, wenn man das zum Beispiel mit der Möglichkeit vergleiche, ein Hochschulstudium quasi kostenlos absolvieren zu können.  

Mit Blick auf die geplante Schulgeldfreiheit stellte Preis fest: „Ebenso wie die Schülerinnen und Schüler entlastet werden, wird gleichzeitig ein stückweit eine bessere Gesundheitsversorgung der Menschen in einer immer älter werdenden Gesellschaft ermöglicht“. Denn die Apotheken vor Ort könnten so schon bald mehr dringend benötigte pharmazeutische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusätzlich einstellen. Und auch das würde zur Stärkung der Apotheken vor Ort, vor allem aber auch zur Stärkung der ortsnahen Arzneimittelversorgung für Bürgerinnen und Bürger beitragen.

Digitalisierung im Gesundheitswesen: Patientenwohl ist entscheidend und die Einbindung der Apotheken beim elektronischen Medikationsplan unverzichtbar

Entsprechend dem aktuellen Megathema unserer Gesellschaft habe die neue Regierungskoalition das Thema Digitalisierung auch in einem eigenen Kapitel behandelt und wolle eine Offensive für Bildung, Forschung und Digitalisierung starten.

Auch die Heilberufe - Ärzte, Zahnärzte und Apotheker -, beabsichtigen die Digitalisierung im Gesundheitswesen sinnvoll und im heilberuflichen Interesse voranzutreiben, sei Preis. Man sei sich einig in der Feststellung, dass die steigenden heilberuflichen Bedarfe einer älter werdenden Gesellschaft zunehmend digitale Unterstützung bei Therapie- und Organisationsprozessen benötigten.

Im Zuge dessen stellte Preis klar: „Wir Heilberufler sehen dabei aber in den Anwendungen der Digitalisierung immer nur Instrumente zur Unterstützung der heilberuflichen Tätigkeit. Das heißt: Digitalisierung hat für uns lediglich dienenden Charakter und kann niemals die heilberufliche Entscheidung von Ärzten oder Apothekern im persönlichen Kontakt mit dem Patienten ersetzen.“

Nicht zuletzt seien die Koalitionäre auch gewillt, das Thema Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) und Arzneisicherheit aktiv zu fördern. Im Hinblick auf die weitere angekündigte Einführung der elektronischen Patientenakte und insbesondere des elektronischen Medikationsplans forderte Preis erneut, dass Apotheker fachlich pharmazeutisch wesentlich intensiver eingebunden werden müssten als das bisher der Fall sei. Ein Medikationsplan ohne das fachliche Engagement von Apothekerinnen und Apothekern dürfe es spätestens mit der zum 01.01.2019 geplanten Einführung des elektronischen Medikationsplans nicht mehr geben. Nur so sei eine vollumfängliche Nutzung des Medikationsplans im Sinne von mehr Therapiesicherheit für die uns anvertrauten Patienten in unseren Apotheken zu erreichen, so Preis.

Klares Bekenntnis zu freien Berufe auf Bundes- und Landesebene

Abschließend hob Preis auch das klare Bekenntnis zu den Freien Berufen in den Koalitionsverträgen auf Bundes- und auf Landesebene hervor. Mit Blick auf die Landesregierung in NRW wies Preis nochmals darauf hin, dass die Freien Berufe auf insgesamt 27 Seiten im Koalitionsvertrag zum ersten Mal und bundesweit in dieser Form einzigartig die Bedeutung der Freien Berufe für ein Bundesland dargestellt und zusätzlich auch noch konkrete Planungen zur Fortentwicklung aufgeführt würden.

„Wir hatten immer gehofft und haben dafür auch einiges politisch unternommen, dass dieser Vertrag quasi Rückenwind, Ansporn und Muster für einen neuen Koalitionsvertrag auf Bundesebene sein könnte“, sagte Preis. Das habe sich jetzt bestätigt, denn die neue Koalition in Berlin setze bei der Organisation des Gesundheitswesens weiter auf die freiberuflichen Heilberufler und bekennt sich auch im Koalitionsvertrag ausdrücklich zu den Freien Berufen, so Preis weiter.

19.02.2018

  • 10. Zukunftskongress öffentliche Apotheke erzielt mit über 450 Teilnehmern Besucherrekord
  • NRW-Gesundheitsminister Laumann: „Wir möchten, dass Präsenzapotheke Zukunft hat“
  • Preis: Umsetzung Rx-Versandverbot, höheres Apothekenhonorar und Einbindung bei Medikationsplan eingefordert
  • Precht: Empathie-Berufe wie Apotheker und Arzt haben Zukunft
  • Podiumsdiskussion: Parteiübergreifendes Bekenntnis zur Apotheke vor Ort
  • Jaehde: Bei AMTS interprofessionelle Zusammenarbeit mit Ärzten weiter vorantreiben
  • „Zukunftspreis öffentliche Apotheke“ gehen an Apothekerinnen aus Aachen, Köln und Solingen
  • Schönwald: Positives Gesamtfazit
  • Ausblick: 11. Zukunftskongress öffentliche Apotheke am 16.02.2019 in Bonn

Mit über 450 Teilnehmern hat der 10. Zukunftskongress öffentliche Apotheke am Samstag, 17.02.2018, in Bonn einen Besucherrekord erzielt. Die Teilnehmer erlebten einen hochkarätigen Kongresstag mit einzigartigen Programmpunkten und Referenten. Der Zukunftskongress war wiederum ein sehr gut frequentierter Branchentreff mit Marktpartnern, promi-nenten Gästen und Partnern aus dem Gesundheitswesen. Die begleitende Fachmesse präsentierte exklusive Neuheiten aus dem Apothekenmarkt mit Live-Anwendungen vor Ort. Der Apothekerverband Nordrhein hat die Plattform genutzt, um zentrale Forderungen des Berufsstandes in Richtung Politik zu adressieren.

Minister Laumann: „Wir möchten, dass Präsenzapotheke Zukunft hat“
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat in seinem gesundheitspolitischen Lagebericht keinen Zweifel daran gelassen, dass das Vorhaben von Union und SPD, den Versandhan-del mit Rx-Medikamenten zu verbieten, kommen wird. „Wir möchten, dass die Präsenzapotheke eine Zukunft hat“. Auch in Richtung der Kritiker betonte Laumann, dass die Herausgabe von Rx-Medikamenten stets mit Beratung verbunden sein müsse. „Außerdem muss klar sein, dass verschreibungspflichtige Arzneimittel eine besondere Ware sind“, sagte Laumann. Den Versandhandel mit solchen Arzneien zu verbieten, trage dem Rechnung. Darüber hinaus machte er deutlich – und verwies dabei insbesondere auch auf seine letzte Tätigkeit in der Bundespolitik als Patientenbeauftragter der Bundesregierung -, dass es zwar immer wieder reichlich Kritik am Gesundheitssystem gebe, aber an Apotheken hätten nur die allerwenigsten etwas auszusetzen. Daher gelte, den Status quo zu halten. „Wenn etwas in Ordnung ist, muss man es nicht ändern“, sagte Laumann. Auch mit Hinweis auf das klare Bekenntnis zu den Freien Berufen im NRW-Koalitionsvertrag betonte Laumann, dass die freien Berufe und damit die Apotheker einen wichtigen Teil des Mittelstands darstellten. Die Politik habe auch ein Interesse daran, diese zu stärken, etwa indem bewährte Strukturen gefestigt würden. Gerade in Zeiten der Digitalisierung würden solche Strukturen irreparabel zerstört, wenn man das einfach laufen lassen würde, betonte der Minister.

Thomas Preis: Umsetzung Rx-Versandverbot, höheres Apothekenhonorar und Einbindung bei Medikationsplan gefordert
Bereits in seiner Begrüßung machte Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverbandes Nordrhein e.V., deutlich, dass es nur konsequent sei das nachweislich alternativlose Netz der öffentlichen Apotheken zu stärken. „Deshalb sind wir sehr erleichtert, dass eine neue Regierung dem unsäglichen EuGH-Urteil entschieden entgegentreten will, um die Apotheken vor Ort im Sinne der Versorgungssicherheit zu festigen“, sagte Preis. Die Politik wolle hier endlich nach einer über 12 Monaten dauernden Hängepartie handeln. Denn durch das EuGH-Urteil werde durch Aushebelung der Gleichpreisigkeit bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln die Flächendeckung durch öffentliche Apotheken nachhaltig und unwiderruflich zerstört. Deshalb sei es gut, wenn es jetzt im Koalitionsvertrag stehe, so Preis weiter. Neben dem Rx-Versandverbot gehöre ein höhe-res Apothekenhonorar zu den Kernforderungen unseres Berufsstandes an eine neue Bundesre-gierung. Einen weiteren Honorarstillstand, der ja jetzt quasi seit eineinhalb Jahrzehnten anhält, werden viele unserer Mitgliedsapotheken nicht mehr verkraften. Hier bestehe dringender Handlungsbedarf, betonte Preis.

Zudem forderte Thomas Preis, dass bei der ebenfalls angekündigten weiteren Einführung der elektronischen Patientenakte und insbesondere des elektronischen Medikationsplans Apotheker auch fachlich pharmazeutisch wesentlich intensiver eingebunden werden als das bisher der Fall sei. Entsprechende politische Zusagen müssten jetzt auch eingelöst werden. Dazu gehöre natürlich auch eine angemessene Honorierung. Preis brachte es wie folgt auf den Punkt: „Einen Medikationsplan ohne das fachliche Engagement von Apothekern darf es spätestens mit Einführung des elektronischen Medikationsplans im nächsten Jahr nicht mehr geben, denn nur so ist eine vollumfängliche Nutzung im Sinne von mehr Therapiesicherheit für die Patienten in unseren Apotheken zu erreichen.“

Prof. Precht: Empathie-Berufe wie Apotheker und Arzt haben Zukunft
In einem mit großem Beifall bedachten Keynote-Vortrag „Zukunft in Verantwortung: Chancen und Risiken einer digitalen Gesellschaft“ zeigte der bekannte Philosoph, Prof. Dr. Richard David Precht, zunächst sehr anschaulich signifikante Merkmale einer zunehmend digitalen Arbeits- und Lebenswelt auf. Im Zuge dessen lautet einer seiner Kernthesen, dass Erwerbsarbeit im Rahmen einer bevorstehenden 4. industriellen Revolution dramatisch zurückgeht. Er prognostizierte den Abschied von der Arbeits- und Leistungsgesellschaft und bestehenden sozialen Sicherungssystemen. Besonders Berufsgruppen, deren Tätigkeit maschinell ersetzbar sind, stehen auf dem Spiel. Heilberufe wie Ärzte und Apotheker zählen nach seiner Einschätzung zu „Empathie-Berufen“, also diejenigen, die sich kümmern und für die Menschen persönlich da sind. Sie werden in Zukunft trotz ökokomischer Zwänge und digitaler Neuerungen in besonderer Weise bedeutsam bleiben. Im Hinblick auf eine zunehmend digitalisierte Medizin warnte er eindringlich davor, der Mensch dürfe nicht auf die Summe seiner Daten degradiert werden. Auch Online-Videosprechstunden erteilte er mit Verweis auf den Verlust der menschlichen Dimension eine Absage. In der öffentlichen Debatte rund um das Thema Digitalisierung war der Vortrag von Prof. Precht ein eindringliches Plädoyer für mehr Menschlichkeit - verbunden mit dem Appell, die Digitalisierung vom Menschen aus zu betrachten und zu gestalten.

Gesundheitspolitische Podiumsdiskussion: Parteiübergreifendes Bekenntnis zur Apotheke vor Ort
In der gesundheitspolitischen Podiumsdiskussion, in der Vertreter aller Parteien im deutschen Bundestag vertreten waren, bekannten sich die Gesundheitspolitiker Dr. Georg Kippels (MdB, CDU) und Dirk Heidenblut (MdB, SPD) zur Vereinbarung des Rx-Versandverbotes und begrüßten darüber hinaus die insgesamt erzielten Ergebnisse im Rahmen des geneinsamen Koalitionsvertrages. Während die gesundheitspolitischen Vertreter der anderen Parteien im Bundestag diese Vereinbarungen in der Podiumsdiskussion naturgemäß kritisch bewerteten, waren sich die Abgeordneten aller Parteien einig, dass die Apotheken vor Ort in unserem Gesundheitswesen zukünftig noch mehr Verantwortung übernehmen müssten und auch deshalb weiterhin dringend gebraucht werden. Als Vertreter der Apothekerschaft brachte Thomas Preis wiederum die zentralen Forderungen baldigst das Rx-Versandverbot und eine Erhöhung des Apothekenhonorars umzusetzen.

Prof. Jaehde: Bei AMTS interprofessionelle Zusammenarbeit mit Ärzten weiter vorantreiben
In seinem Fachvortrag zur Arzneimitteltherapiesicherheit machte Prof. Dr. Ulrich Jaehde am Aktionsplan AMTS, der fortwährend weiterentwickelt wird, zunächst deutlich, welche Maßnahmen bisher umgesetzt werden konnten. Zu den wichtigsten Instrumenten dabei gehört der Medikationsplan, der zunächst ohne Einbindung der Apotheker in Papierform eingeführt wurde. Das sei schon deshalb fragwürdig, weil dieser maßgeblich von Apothekern entwickelt worden sei, so Jaehde. Er wertete es daher als sehr positiv, dass nicht nur er, sondern auch die Gesundheitspolitiker in der Podiumsdiskussion auf dem Zukunftskongress hier Handlungsbedarf sehen, die Apotheken mit ihrer Kompetenz bei der Einführung des elektronischen Medikationsplans aktiver einzubinden.

Als wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung von AMTS führte er auch die Vereinbarungen an, die im Rahmen der Entschließung zum Thema AMTS in der Landesgesundheitskonferenz 2012 unter aktiver Beteiligung der Apothekerverbände und -kammern in NRW getroffen worden seien. Die Ergebnisse seien als Grundlage sehr wertvoll, weil sie insbesondere auch die Zusam-menarbeit mit Ärzten sehr konkret definieren. Unabhängig davon führte er Modellprojekte an, in denen AMTS erfolgreich in der Praxis erfolgreich unter der wissenschaftlichen Leitung seines Institutes erprobt wurde, so zum Beispiel das Projekt zur Geriatrischen Medikationsanalyse des AV Nordrhein in Kooperation mit der AOK Rheinland/Hamburg. Auch hier sei die heilberufli-che Kooperation zwischen Apotheker und Arzt ganz wichtig gewesen. Genau diese interprofessionelle Zusammenarbeit Schritt für Schritt weiterzuentwickeln, ist und bleibe eine wichtige Zukunftsaufgabe. Davon profitierten nicht nur die Beteiligten und Patienten, sondern dadurch könnten auch erhebliche Einsparungen erzielt werden.

„Zukunftspreis öffentliche Apotheke“ an drei beispielgebende Initiativen von Apothekerinnen aus Aachen, Köln und Solingen verliehen
Die Gewinnerinnen des „Zukunftspreises öffentliche Apotheke“:
1. Preis: Apothekerin Gabriele Neumann (Karls-Apotheke, Aachen) für die heilberufliche Kooperation mit der Ärzteschaft zur Gesundheitsprävention „Aachen gegen den Schlaganfall“.
2. Preis: Apothekerin Stefanie Kaufmann (Viktoria-Apotheke Köln) für das Projekt „Versorgung von Patienten mit Mukoviszidose: individuell und rund um die Uhr“.
3. Preis: Apothekerin Birte Streich (Bergische Apotheke im Kaufland, Solingen) für das Projekt „Selbstmedikation im Fokus – am besten persönlich beraten in der Apotheke“.

Positives Gesamtfazit  
Doris Schönwald, stv. Vorsitzende des AV Nordrhein, zog am Ende des Kongresstages ein durchweg positives Fazit. Zur guten Vorbereitung auf die Zukunft gehöre, gezielt Veränderungen auch mit der Unterstützung von Experten zu analysieren. Das werde auch weiterhin ein Markenzeichen des Zukunftskongresses sein, die Expertise renommierter Spezialisten und Fachleute in diesem Forum zu präsentieren. Vor diesem Hintergrund habe auch der 10. Zukunftskongress öffentliche Apotheke erneut wichtige Impulse geliefert und auch neue Perspektiven skizziert. Sie bekräftigte insbesondere die im Kongressablauf immer wieder aktiv eingebrachten gesundheits-politischen Positionen des Verbandes.

Ausblick: 11. Zukunftskongress öffentliche Apotheke am 16.02.2019
Im Rahmen des Kongresses wurde auch schon der Termin für den 11. Zukunftskongress öffent-liche Apotheke bekanntgegeben: Samstag, 16.02.2019, Veranstaltungsort wird erneut das World Conference Center (ehem. Deutscher Bundestag) in Bonn sein.

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19.02.2018

Apothekerinnen aus Aachen, Köln und Solingen mit „Zukunftspreis öffentliche Apotheke“ ausgezeichnet
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann übergab die Preise

Drei beispielgebende Initiativen von Apothekerinnen aus Aachen, Köln und Solingen wurden mit dem „Zukunftspreis öffentliche Apotheke“ ausgezeichnet. Die Preisverleihung mit NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann fand am Samstag, den 17.02.2018, im ehemaligen Plenarsaal des Deutschen Bundestages (World Conference Center in Bonn) statt.

Im Rahmen der Preisverleihung lobte Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, die Projekte der drei Preisträgerinnen als beispielgebende Initiativen mit Modellcharakter. Der Minister hatte die Schirmherrschaft für die Ausschreibung „Zukunftspreis öffentliche Apotheke“ des Apothekerverbandes Nordrhein e.V. übernommen.

Der Vorsitzende des Apothekerverbandes Nordrhein e.V. Thomas Preis sagte anlässlich der Preisverleihung: „Die Projekte der Preisträger sind zukunftsorientierte Initiativen, von denen Kunden und Patienten in besonderer Weise profitieren. Sie zeigen in hervorragender Weise, dass öffentliche Apotheken über den gesetzlichen Versorgungsauftrag hinaus, den sie bei der Arzneimittelversorgung der Bevölkerung haben, weitaus mehr leisten und so die apothekerliche Versorgung der Menschen kontinuierlich weiterentwickeln.“

Die Gewinnerinnen des „Zukunftspreises öffentliche Apotheke“:

1. Preis: Apothekerin Gabriele Neumann (Karls-Apotheke, Aachen) für die heilberufliche Kooperation mit der Ärzteschaft zur Gesundheitsprävention „Aachen gegen den Schlaganfall“.
2. Preis: Apothekerin Stefanie Kaufmann (Viktoria-Apotheke Köln) für das Projekt „Versorgung von Patienten mit Mukoviszidose: individuell und rund um die Uhr“.
3. Preis: Apothekerin Birte Streich (Bergische Apotheke im Kaufland, Solingen) für das Projekt „Selbstmedikation im Fokus – am besten persönlich beraten in der Apotheke“.

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Schauen Sie sich hier die Videosportraits der ausgezeichneten Projekte der drei Preisträgerinnen an:

1. Preis: Gabriele Neumann (Karls-Apotheke, Aachen)

2. Preis: Stefanie Kaufmann (Viktoria-Apotheke, Köln)

3. Preis: Birte Streich (Bergische Apotheke im Kaufland, Solingen)

12.01.2018

Vorbild für die Bundespolitik: Das klare Bekenntnis der NRW-Koalition zu Freien Berufen

Auf dem traditionellen Neujahrsempfang des Apothekerverbandes Köln am 10.01.2018 versammelten sich hochkarätige Gäste aus dem Gesundheits-wesen. Darunter Spitzenvertreter der Ärzteschaft, Apothekenrechenzentren, Arzneimittelhersteller, des Pharmagroßhandels und der Politik. Das Grußwort sprach der Gesundheitspolitiker Dr. Georg Kippels (CDU, MdB).

Der Vorsitzende des Apothekerverbandes Nordrhein und Köln, Thomas Preis, appellierte in seiner Rede vor allem an die versorgungs- und gesellschaftliche Verantwortung der politischen Entscheidungsträger. Diese müssten die sichere und heilberufliche Arzneimittelversorgung durch öffentliche Apotheken im Interesse der Menschen in unserem Lande deutlich nachhaltiger unterstützen.

Planungssicherheit und zuverlässige Rahmenbedingungen unverzichtbar

In Anbetracht bestehender Bedrohungen durch rein kommerziell ausgerichtete und nicht dem Gemeinwohl verpflichteten internationalen Großkonzerne und kontraproduktiver Entscheidungen aus der EU müsse die Politik konsequenter handeln und für die Menschen vor Ort unverzichtbare Strukturen, wie die Arzneimittelversorgung durch die inhabergeführte Apotheke, stärken. „Apotheken vor Ort brauchen mehr Planungssicherheit und zuverlässige Rahmenbedingungen,“ stellte Preis klar. Von herausragender Bedeutung sei daher weiterhin ein Rx-Versandverbot. Preis dankte hier ausdrücklich Hermann Gröhe, der als Bundesgesundheitsminister schnell und unmittelbar noch im Dezember 2016 mit einem Gesetzesentwurf reagiert habe. Auf dem Sommerempfang des Apothekerverbandes Nordrhein und persönlich auch in vielen Gesprächen habe Gröhe stets sehr deutlich gemacht, dass er das Rx-Versandverbot in Koalitionsverhandlungen durchsetzen wolle.

Preis warnte vor einem “Laufenlassen“ in dieser Angelegenheit. Dies sei nicht zu verantworten und würde letztlich unwiderruflich zu einem Verlust politischer Steuerungsmöglichkeiten bei der Arzneimittelversorgung führen. „Wir brauchen ein Verbot für den Versandhandel mit verordneten Medikamenten, wie es drei Viertel der EU-Staaten schon haben. Die große Mehrheit in einer möglichen neuen großen Koalition, die CDU/CSU, hat das längst erkannt. Aber jetzt muss es auch im Koalitionsvertrag vereinbart werden und dann auch von einer neuen Bundesregierung zügig umgesetzt werden“, forderte Preis.

Bedeutung der Freien Berufe auch in Koalitionsvertrag auf Bundesebene verankern

Als Vorbild für die Bundespolitik verwies Preis auf das klare Bekenntnis zu den Freien Berufen der neuen NRW-Koalition. Auf insgesamt 27 Seiten im Koalitionsvertrag würden die Freien Berufe bei ausdrücklicher Nennung der Apotheken berücksichtigt. Dies sei, so Preis weiter, bundesweit in dieser Form einzigartig, die Bedeutung der Freien Berufe für ein Bundesland nicht nur darzustellen, sondern zusätzlich auch konkrete Planungen zur Fortentwicklung der Freien Berufe zu verankern. Dies solle Ansporn sein, dies auch mit dem Rückenwind aus NRW, in den hoffentlich bald zu verhandelnden Koalitionsvertrag in Berlin zu verankern.

Immer wieder neue Herausforderungen erfordern angemessenes Apothekenhonorar

Positiv wertete Preis die im abgelaufenen Jahr in Kraft getretenen Erhöhungen bei der Rezepturvergütung und bei den Dokumentationsgebühren für Betäubungsmittel und T-Rezepte. Endlich werde die mit der Herstellung und Abgabe dieser Arzneimittel verbundene pharmazeutische Leistung bzw. der Dokumentationsaufwand zwar nicht kostendeckend, aber immerhin nach Jahrzehnten ohne jegliche Erhöhungen in diesem Bereich besser honoriert.

Diese grundsätzlich positiven Entwicklungen im Honorarbereich könnten, so Preis, allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Apotheken zur langfristigen wirtschaftlichen Sicherung vor allem endlich auch Planungssicherheit bei der Entwicklung ihres Fixhonorars benötigten. Dass sei allein schon deshalb mehr als gerechtfertigt, weil die Apotheken mit ihren Teams immer wieder neue, fachlich und logistisch aufwändige Herausforderungen stemmen müssten. Beispielhaft führte er hier die Erhöhung des Schutzes vor Arzneimittel-Fälschungen durch das Projekt Securpharm
im Februar 2019 an und verwies aktuell auf die Cannabis-Versorgung, die mit höchstem pharmazeutischen Aufwand verbunden sei. „Neben dem Rx-Versandverbot gehört ein angemessenes Apothekenhonorar zu den Kernforderungen an eine neue Bundesregierung“, so Preis.

Das noch vor Weihnachten unter sehr fragwürdigen Bedingungen veröffentlichte Honorargutachten sei wenig hilfreich, betonte Preis. Abgesehen davon, dass man ein solches Gutachten allein schon aufgrund der Vorgeschichte nicht ernst nehmen könne, so sind auch aus fachlicher Sicht größte Zweifel angebracht. „Wenn laut Gutachten etwa die Hälfte der Apotheken wirtschaftlich gefährdet ist, aber gleichzeitig gefordert wird, 1,24 Mrd. Euro im Bereich der Apotheken, und somit 40.000 € pro Apotheke, einzusparen, muss man doch auch an der ökonomischen Kompetenz dieses Gutachtens zweifeln,“ so Preis.

Arzneimittelversorgung durch öffentliche Apotheken als Qualitätsmerkmal erhalten

In seinem Grußwort verwies der Bundestagsabgeordnete Dr. Georg Kippels zunächst auf die historisch bisher noch nie dagewesene Situation, auch nach über 100 Tagen nach einer Bundestagswahl noch keine neue Bundesregierung zu haben. Mit dieser Situation müsse man nun umgehen. Kippels zeigte sich im Hinblick auf die Gespräche zur Fortsetzung einer großen Koalition zuversichtlich. Vertraute Partner müssten hier einen neuen Anlauf machen. Es komme politisch darauf an, kraftvoll nach vorne zu schauen. Dabei müsse man neuen Entwicklungen angemessen Rechnung tragen. Hier nannte er an erster Stelle die Digitalisierung.

Das EuGH-Urteil vom Oktober 2016 zum grenzüberschreitenden Versand von Rx-Arzneimitteln und die immer noch nicht erfolgten gesetzgeberischen Maßnahmen bezeichnete Kippels als „offene Wunde, mit der man sich beschäftigen müsse“. Keinen Zweifel ließ er daran, dass man die Arzneimittelversorgung durch öffentliche Apotheke als „Qualitätsmerkmal“ erhalte wolle.

19.12.2017

Der Apothekerverband Nordrhein e.V. hat in diesem Jahr erneut den Zukunftspreis öffentliche Apotheke ausgeschrieben - unter der Schirmherrschaft von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Die Preisverleihung findet im Rahmen des 10. Zukunftskongresses öffentliche Apotheke am 17. Februar 2018 im World Conference Center Bonn (ehemaliger Deutscher Bundestag) statt.

01.12.2017

Der 10. Zukunftskongress öffentliche Apotheke findet am 17.02.2018 im beeindruckenden Ambiente des World Conference Center (ehemaliger Deutscher Bundestag) statt. Unter dem Motto „Zukunft in Verantwortung“ steht u.a. das Thema Digitalisierung der Gesellschaft im Mittelpunkt. Für den Keynote-Vortrag zum Thema „Zukunft in Verantwortung: Chancen und Risiken einer digitalen Gesellschaft“ konnte mit Prof. Dr. Richard David Precht einer der herausragendsten Denker der Gegenwart und Vordenker künftiger Entwicklungen in einer zunehmend digitalen Gesellschaft gewonnen werden.

 

12.10.2017

Experten und Fachpublikum auf dem 5. OTC-Gipfel am 12.10.2017 in Düsseldorf waren sich einig: Die Selbstmedikation hat in der individuellen Gesundheitsversorgung der Menschen und für das Gesundheitswesen insgesamt eine herausragende Bedeutung. Dabei fungieren die öffentlichen Apotheken mit ihrer pharmazeutischen Kompetenz als erste Anlaufstelle für die Patienten und Kunden. Mit seiner persönlichen Beratung ist der Apotheker der Garant für die indikationsgerechte Auswahl und die richtige Anwendung von Arzneimitteln in der Selbstmedikation. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, deren Bedeutung in einer älter werdenden Gesellschaft weiter zunehmen wird. Hochkarätige Referenten schafften mit ihren Vorträgen die Voraussetzung für eine spannende Dialogveranstaltung mit hohem Erkenntnismehrwert für den Teilnehmerkreis.

Bereits in der Begrüßungsrede wies der Vorsitzende des Apothekerverbandes Nordrhein e.V. Thomas Preis darauf hin, dass Selbstmedikation in diesem Jahr sogar auf internationaler Ebene Niederschlag gefunden habe. So hätten die politischen Spitzen der wichtigsten Nationen der Welt beim G20-Gipfel in Hamburg zu Beginn dieses Jahres beschlossen, dass die Staaten ihre Bürger zu „self-care“ und „health literacy“ ermutigen sollen, das heißt also: Selbstmedikation und Gesundheitskompetenz sollen gestärkt werden. Mit dem fünften OTC-Gipfel wolle man genau dieses Ziel weiterverfolgen, betonte Preis. Die herausragende Bedeutung und große heilberufliche Verantwortung ließe sich allein schon daran verdeutlichen, dass „jede zweite abgegebene Packung in der Apotheke eine selbst gekaufte ist“, so Preis.

Verbraucherschützer kritisiert mangelnde gesundheitspolitische Anerkennung

Der Gesundheitsexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen in Berlin, Kai Helge Vogel, merkte zunächst kritisch an, dass das Thema Selbstmedikation bei der Politik in Deutschland ein wenig aus dem Blick geraten sei. Umso mehr begrüßte er die Initiative des AV Nordrhein und gratulierte ausdrücklich zum OTC-Gipfel, bei dem das Thema gezielt in den Mittelpunkt gerückt werde. Er betonte dabei, dass die Apotheken vor Ort in der pharmazeutischen Beratung eine unverzichtbare und niedrigschwellige Anlaufstelle seien. Es gäbe viele Arzneimittel, aber was helfe wirklich? „Da ist der Apotheker als Heilberufler gefordert,“ machte Vogel deutlich. Dass sich Patienten selbst in Internetforen beraten würden, sei der falsche Weg. In diesem Zusammenhang warnte Vogel ausdrücklich vor Laienforen. Von der pharmazeutischen Kernkompetenz der Apotheker zeigte sich Vogel überzeugt. Im Beratungsalltag sei die Einhaltung der in der Apothekenbetriebsordnung festgelegten Vorgaben unerlässlich.

Pro Apothekentests, contra Pauschalurteile

In Bezug auf Apothekentests distanzierte sich Vogel von Pauschalurteilen. Gegenüber Stichproben, wie sie oft schon im Fernsehen zu sehen waren, ging er auf Distanz. „Wenn 10 Apotheken ausgesucht werden, ist das nicht aussagekräftig“, betonte Vogel. Im Hinblick auf die Einführung des Medikationsplans kritisierte er, dass das pharmakologische Wissen der Apotheker bislang außen vor geblieben sei. „Das kann nur unter Berücksichtigung von OTC-Arzneimitteln und nur mit Apothekern funktionieren“, so Vogel. Eine große Chance bei der Zukunftsaufgabe Selbstmedikation sieht Vogel in der Evidenzbasierung. Er begrüßte hier die ersten Weichenstellungen der Apothekerschaft. Für die künftige Sicherstellung der Arznei-mittelversorgung insgesamt erteilte er Selektivverträgen eine Absage. „Da sind wir strikt“, so Vogel. Sinnvolle Leistungen sollten allen GKV-Versicherten zur Verfügung stehen. Angesprochen auf die schon oftmals auf Apothekentagen eingebrachten Anträge zur Absenkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel, teilte er die Auffassung und verwies darauf, dass man dies bei der Politik rückblickend schon vielfach eingefordert habe und das weiter ansprechen werde.

Heilberufliche Zuwendung verstärkt therapeutische Wirkung

Der Neurowissenschaftler Prof. Dr. Manfred Schedlowski Medizinische Fakultät der
Universität Duisburg-Essen verdeutlichte in seinem Vortrag, dass heilberufliche Zuwendung in der Patientenbetreuung einen nachhaltigen Effekt habe. Immer dann wenn Patienten in der Therapie intensiv vom Arzt begleitet wurden, ist die Wirkung der angewendeten Mittel angestiegen. Hat der Arzt sich positiv über die angewendete Therapie geäußert, so wirkte sich auch das positiv auf den Behandlungserfolg aus. Insgesamt ließ sich dadurch ableiten, dass die persönliche Kommunikation und Betreuung durch einen Heilberufler wie den Apotheker ganz erheblichen Einfluss auf die Therapie haben kann. Das gilt übrigens auch im negativen Zusammenhang, dem sog. „Nocebo-Effekt“. So können Patienten mit negativen Einschätzungen verunsichert werden, die dann eine verminderte Arzneimittelwirkung zur Folge haben können. Die Wirkung von Therapien hängen somit auch maßgeblich von der Qualität der Kommunikation ab. In der anschließenden Diskussion waren sich alle einig, dass dieser Aspekt in der Aus- und Weiterbildung von Heilberufen sowie in der klinischen Praxis wesentlich stärker berücksichtigt werden müsse. 

Selbstmedikation hat individuellen, volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen

Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Arzneimittelhersteller (BAH), Jörg Wieczorek, stellte in seinem Vortrag ebenfalls die herausragende Bedeutung der Selbstmedikation für das Gesundheitswesen heraus. Er verwies auch darauf, dass auf dem G-20-Gipfel in Hamburg die Förderung der Selbstmedikation ebenso wie die der Gesundheitskompetenz eine hohe Priorität eingeräumt wurde. Umso unverständlicher sei es daher, dass insbesondere das Thema Selbstmedikation beim Pharma-Dialog der Bundesregierung keine Rolle gespielt habe, so Wieczorek.  Dass die Selbstmedikation bei Apothekern und ihren Teams vor Ort in besten Händen ist, machte er nicht nur an deren pharmazeutischen Kompetenz fest, sondern u.a. auch daran deutlich, dass die Deutschen den Apothekern gemäß einer repräsentativen Umfrage des Deutschen Gesundheitsmonitors noch mehr vertrauen als Ärzten. Darüber hinaus präsentierte Wieczorek nachhaltige Fakten, welchen gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Nutzen die Selbstmedikation neben dem individuellen Nutzen für die Patienten heute bereits hat.  So führt die Selbstmedikation unter Beteiligung der Apotheken für die GKV zu Entlastungseffekten von 21 Mrd. Euro.

Plädoyer pro öffentliche Apotheke und Rx-Versandverbot

Nicht zuletzt zeigte der BAH-Vorsitzende konkrete Zukunftschancen für Apotheken in der Selbstmedikation auf. Eine davon bestehe auch in der zunehmenden Anzahl an Switches. Sie böten mit einer engen Begleitung durch die Apotheker auch große Chancen für die Ver-sorgung. Mit Blick auf die Zukunft der Arzneimittelversorgung in einer immer älter werdenden Gesellschaft ließ der Jörg Wieczorek keinen Zweifel daran, dass der Apotheker neben dem Arzt als „Gewährleistungsinstanz“ im Gesundheitswesen unverzichtbar ist. Apotheker sollten daher „Selbstbewusst die Rolle als heilberufliche Berater einnehmen, sich durch Beratung zu erklärungsbedürftigen Produkten profilieren, eine noch stärkere Rolle als Schnittstelle zwischen Patient und Arzt einnehmen und zum Lotsen für Patienten im Gesundheitswesen avancieren.“ Allerdings müssten dazu auch die politischen Rahmenbedingungen stimmen. In diesem Zusammenhang betonte er nochmals, dass der BAH das Rx-Versandhandelsverbot konsequent unterstützt und auch aus Verbrauchersicht als alternativlos ansieht. Wer die Versorgung im Bereich von Rx- und OTC-Arzneimitteln weiterhin auf hohem Niveau sicherstellen wolle, der müsse sich dafür einsetzen. „Was in 21 anderen europäischen Ländern geht, muss auch in Deutschland funktionieren“, betonte Wieczorek.

Apothekenmarketing im digitalen Zeitalter: Der menschliche Faktor ist entscheidend

Last but not least hat Prof. Kaapke in einer umfassenden Darstellung zum Thema „Apothekenmarketing im digitalen Zeitalter“ sehr praxisorientiert und anschaulich aufgezeigt, welche Facetten das Marketing in den öffentlichen Apotheken heute hat und wie die Akzente noch anders gesetzt werden können. Ganz neue und auch überraschende Erkenntnisse diesbezüglich lieferten erste Ergebnisse einer vom Apothekerverband Nordrhein in Auftrag gegebenen Bevölkerungsbefragung zum Thema „Marketing in Apotheken im digitalen Zeitalter“, die Kaapke exklusiv anlässlich des OTC-Gipfels präsentierte. So lautet ein erstes Fazit der Befragung: Digitale Angebote von Apotheken genießen keine große Wertschätzung bei den Kunden der Apotheke. Entscheidend für den Erfolg einer Apotheke seien Standort, Kompetenz und Freundlichkeit. Die persönliche Beratung von Angesicht zu Angesicht habe für die Menschen höchste Priorität - digitale Kommunikationswege spielten nur eine untergeordnete Rolle. Die komplette Studie soll noch im Oktober veröffentlicht werden.

OTC-Gipfel 2018 bereits in Planung

Zum Abschluss des OTC-Gipfels zog der OTC-Landesbeauftragte des Apothekerverbandes Nordrhein, Sebastian Berges, ein überaus positives Fazit. Er hob die hochkarätigen Vorträge der Referenten hervor, bedankte sich aber auch beim Teilnehmerkreis für die fachlich anspruchsvollen Diskussionen, die im unmittelbaren Anschluss an die Vorträge zu den einzelnen Themenfeldern stattfanden. An seine Kolleginnen und Kollegen appellierte er „Lassen Sie uns gemeinsam sichtbar als Selbstmedikationsbotschafter bleiben.“ Abschließend teilte Berges auch mit, dass der Apothekerverband Nordrhein seine Initiative zum Stellenwert der Selbstmedikation fortsetzen werde und der Termin für den OTC-Gipfel 2018 auch bereits feststehe: Donnerstag, 8. November 2018. Veranstaltungsort ist erneut das Maritim Airport Hotel in Düsseldorf.

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06.09.2017

In seiner Rede auf dem Sommerempfang des Apothekerverbandes Nordrhein e.V. am 06.09.2017 in Düsseldorf hat Gesundheitsminister Hermann Gröhe zugesagt, das Rx-Versandverbot aktiv weiterzuverfolgen. „Es ist mein fester Wille, das in Koalitionsgesprächen umzusetzen“, sagte der Minister vor 150 hochkarätigen Gästen aus dem Gesundheitswesen, darunter Politiker aus Bundes- und Landtag, Vertreter der Ärzteschaft, Krankenkassen, des Pharmazeutischen Großhandels und der Arzneimittelhersteller. Zuvor hatte der Vorsitzende des Apothekerverbandes Nordrhein, Thomas Preis, in seiner Begrüßung unmissverständlich betont, dass es jetzt wichtiger denn je sei, den massiven Werbefeldzügen ausländischer Ver-sandhändler schnell ein Ende zu setzen. Weiteres Zuwarten führe unweigerlich zur Zerschla-gung unseres funktionierenden Arzneimittelversorgungssystems mit gesetzlich vorgeschrie-benen Gemeinwohlverpflichtungen zu Lasten der Schwächsten unserer Gesellschaft - den Alten und Kranken. Deshalb sei jetzt die Politik in unserem Lande in der Verantwortung, so Preis.

In seiner Rede übte Minister Gröhe insbesondere auch im Hinblick auf die Blockadehaltung der SPD beim Rx-Versandverbot deutliche Kritik. Man habe hier aufgrund der Blockadehal-tung des Koalitionspartners Zeit verloren. Somit wurde dieses Thema jetzt in den Wahlkampf getragen. „Ich hätte mir gewünscht, das wäre uns erspart geblieben“, betonte Minister Grö-he. Das völlige Unverständnis für die Blockadehaltung machte der Minister auch daran deut-lich, dass doch gerade auch Flächenländer wie NRW im November 2016, damals noch unter SPD-Führung, im Bundesrat ausdrücklich für das Rx-Versandverbot gestimmt hätten und die Länderkammer insgesamt dafür votierte.

Beratung leistet nicht der Postbote

Vor diesem Hintergrund machte der Minister deutlich, dass die flächendeckende Arzneimit-telversorgung mit Apotheken ein kostbares Gut sei. „Die Versicherten brauchen eine flä-chendeckende Versorgung.“ In diesem Zusammenhang stellte er klar: „Ich bin Versicher-tenminister, nicht Apothekenminister!“ Künftig brauche man noch mehr Beratung und die könne doch nicht der Postbote leisten. Er verwies hier ausdrücklich auch auf die 250.000 Krankenhauseinweisungen durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen und die Einsparpo-tenziale, wenn man dies eindämmen könnte.

Bei Apothekenthemen vorangekommen

Über das Rx-Versandverbot hinaus sprach der Minister weitere Apothekenthemen an, wo man vorangekommen sei. So zum Beispiel bei der Honorierung in den Bereichen Rezeptur und dokumentationspflichtigen Arzneimitteln und der Minimierung von Nullretaxationen. Diesen Weg werde man weitergehen. Hier verwies er unter anderem auf über den Innovati-onsfonds finanzierte Projekte mit Apothekenbeteiligung und das E-Health-Gesetz; hier be-stünden Chancen, die Apotheken künftig stärker einzubinden.

Erwartungen an die neue Bundesregierung

Thomas Preis betonte in seiner Rede insbesondere auch die wesentlichen Positionen des Berufsstandes, die für eine sichere und gesicherte Arzneimittelversorgung unverzichtbar seien: das Fremd und Mehrbesitzverbot, der einheitliche Apothekenabgabepreis, gemein-same und einheitliche Vertragsbeziehungen zu den Krankenkassen, die freie Apotheken-wahl sowie die Apothekenpflicht für Arzneimittel. Preis wies darauf hin, dass es erklärtes Ziel sei, dass auch bei einer neu gewählten Regierung die wesentlichen Leitlinien für eine heil- und freiberuflich geprägte Arzneimittel-Versorgung wiederzufinden sind. So wie sie sich auch jetzt im aktuellen Koalitionsvertrag der auslaufenden Legislaturperiode festge-halten seien, betonte Thomas Preis. Anders, so Preis weiter, also ohne diese wesentlichen Eckpunkte und Vereinbarungen, sei eine flächendeckende, qualitativ hochwertige patien-tenorientierte Arzneimittelversorgung in unserem Lande auch nicht darstellbar!

Abschließend ging Preis noch auf das Thema Digitalisierung ein. Im Gegensatz zu so man-cher, oftmals nicht vorurteilsfreier, Meinungsäußerung, hätten Apotheken das Thema Digitalisierung keineswegs verschlafen. „Nein, im Gegenteil: Apotheken haben sich schon frühzeitig ins digitale Zeitalter aufgemacht, setzen hier oft Maßstäbe und haben dies im Apothekenalltag zum Nutzen der zu versorgenden Patienten eingesetzt“, machte Preis deutlich.

 

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11.02.2017

  • Rx-Versandverbot: Deutlicher Appell an SPD-Bundestagsfraktion
  • NRW-Gesundheitsministerin Steffens: Plädoyer für die Apotheke vor Ort und gegen den Rx-Versandhandel
  • Podiumsdiskussion: Klare Mehrheit für Rx-Versandverbot und einstimmi-ges Bekenntnis zum Freien Heilberuf Apotheker Zukunftsthema Medikationsplan: Erheblicher Verbesserungsbedarf bei der Umsetzung
  • Erstmalige Preisverleihung „Nachwuchspreis öffentliche Apotheke“ – Videoportraits über Projekte und Preisträger auf Youtube
  • Positives Gesamtfazit
  • Ausblick: 10. Zukunftskongress öffentliche Apotheke am 17.02.2018

Rund 400 Besucher erlebten am Samstag, den 11.02.2017,  in Bonn einen hochkarätigen Kongresstag mit einzigartigen Programmpunkten und Referenten. Der Zukunftskongress war wiederum ein sehr gut frequentierter Branchentreff mit Marktpartnern, pro-minenten Gästen und Partnern aus dem Gesundheitswesen. Die begleitende Fachmesse präsentierte exklusive Neuheiten aus dem Apothekenmarkt mit Live-Anwendungen vor Ort. Der Apothekerverband Nordrhein hat den Zukunftskongress genutzt, um ein starkes Signal für ein Rx-Versandverbot zu senden und grundlegende Forderungen des Berufsstandes mit Blick auf die Landtagswahlen in NRW am 14. Mai und die Bundestagswahl am 24. September zu adressieren. An oberster Stelle stand dabei ein klares Bekenntnis zum Freien Heilberuf und eine nachhaltige Steigerung der Grundhonorie-rung.

Rx-Versandverbot: Deutlicher Appell an SPD-Bundestagsfraktion

Da die SPD-Bundestagsfraktion sich bisher immer noch nicht zum vorliegenden Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsministeriums für ein Rx-Versandverbot positioniert hat, machte Thomas Preis, Vorsitzender des AV Nordrhein, bereits in seiner Begrüßungsrede deutlich: „Wir appellieren deshalb sehr deutlich an die SPD-Parlamentarier in Berlin, sich der klaren Position der NRW-Landesregierung, des NRW-Gesundheitsministeriums und der NRW-SPD im Landtag anzuschließen. Es ist jetzt wichtiger denn je den massiven Werbefeldzügen ausländischer Versandhändler ein Ende zu setzen. Weiteres Zuwarten führt unweigerlich zur Zerschlagung unseres funktionierenden Arzneimittelversorgungssystems mit gesetzlich vorgeschriebenen Gemeinwohlverpflichtungen wie Nacht- und Notdienst und uneingeschränkter Kontrahierungsverpflichtung zu Lasten der Schwächsten unserer Gesellschaft - den Alten und Kranken.“
In diesem Zusammenhang stellte Preis klar, dass Versandunternehmen, die sich mit dem Ver-sand von Arzneimitteln beschäftigen, rein renditeorientiert mit Arzneimitteln handelten, während die Apotheken vor Ort die Menschen mit Arzneimitteln gleichzeitig mit einer patientenorientierten persönlichen Beratung versorgten. Er verwies hier auf Bundeskanzlerin Angela Merkel, die dies vor einiger Zeit in einem Interview wie folgt auf den Punkt gebracht habe: „Ein individuelles Gespräch zwischen Apotheker und Kunde ist doch ein gewaltiger Unterschied zu der Situation, wo ich ein Päckchen zugesandt bekomme und alleine zu Hause auspacke.“

Im Hinblick auf die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 14. Mai nahm Thomas Preis Bezug auf ein im Herbst des letzten Jahres verfasstes Positionspapier aller vier Apothekerorganisationen in NRW, das man den Parteivorsitzenden der Parteien im Landtag NRW gesendet habe. Die wesentlichen Forderungen würden übrigens auch für den jetzt beginnenden Bundes-tagswahlkampf gelten. Dazu zählen insbesondere:

  • Ein klares Bekenntnis zur Freiberuflichkeit im Gesundheitswesen in unserem Lande; wie bei der aktuellen großen Koalition auf Bundesebene erwarte man auch von einer neuen Landesregierung in NRW ein klares Bekenntnis zur Freiberuflichkeit (im Gesundheitswesen).  
  • Die Verbesserung von Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) durch Einsatz des apothekerlichen Sachverstandes. Die Arzneimittelsicherheit sei durch die hohe Qualität der Arzneimittel gewährleistet, aber immer öfter würden sie aber nicht richtig angewendet.
  • Die Patientenorientierung und Versorgungsqualität im Gesundheitssystem müsse gesichert werden. Die zunehmende Tendenz der Abkehr von einheitlichen und gemeinschaftlichen Verträgen hin zu Selektivvertragen zerstöre den Solidarcharakter unseres Gesundheitswe-sens.

NRW-Gesundheitsministerin Steffens:
Plädoyer für die Apotheke vor Ort und gegen den Rx-Versandhandel

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens hat in ihrem gesundheitspolitischen Statement erneut betont, dass sie die Apotheke vor Ort aus Überzeugung für äußerst wichtig halte. Nur dort werde eine Versorgung mit Arzneimitteln täglich vorgehalten. Daher appellierte sie an die Apotheker: „Wir brauchen Sie!“ Allerdings forderte sie die Apothekerinnen und Apotheker auf, Lieferdienste nach Hause zu verbessern, beispielsweise bei chronisch Kranken. Dabei machte sie deutlich, dies könnten nur Apotheken vor Ort leisten. Modellen aus der Rubrik „Apotheker im Wohnmobil“ oder „Apotheken auf Rädern“ erteilte sie eine klare Absage.
Ebenso eindeutig sprach sich Ministerin Steffens für ein Rx-Versandverbot aus. Dabei machte sie deutlich, dass Versandhandel auch nichts mit Zeitgeist zu tun habe, wie viele meinen. Dies sei ein Pseudozeitgeist. Menschliche Zuwendung, eine Face-to-Face-Beratung sei durch nichts zu ersetzen. Insbesondere ältere Menschen brauchen die Beratung. Kein Versandhandel der Welt könne so beraten, wie es in der Apotheke vor Ort stattfinde. Kritisch bewertete Steffens Verbraucherschützer, die mit Blick auf das EuGH-Urteil beim Versandhandel vor allem Ein-sparmöglichkeiten sehen. Eine solche Sichtweise passe nahtlos in eine Reihe zu „Geiz ist geil“, wo Geld, wo materielle Ressourcen über Lebensqualität gestellt würden. Deswegen sei es wichtig, den Diskurs fachlich zu führen. Der Preis könne natürlich eine Rolle spielen, aber wer etwas für Verbraucher tun wolle, sollte bereits vorhandene Stellschrauben im Gesundheitswe-sen nutzen, die für Entlastung bei Verbrauchern sorgen, wie z. B. Mehrwertsteuer oder Zuzah-lung, so die Ministerin.

Keynote-Vortrag von Vince Ebert sorgt für Begeisterung

Für große Begeisterung sorgte der Keynote-Vortrag von Vince Ebert zum Thema „Zufällig erfolgreich: Warum die Welt nicht berechenbar ist und wie wir das nutzen können“. Der Dipl.-Physiker, Kabarettist und Autor präsentierte ein rhetorisches Feuerwerk an tiefsinnigen Beispie-len aus Medizin, Wissenschaft und Gesellschaft gepaart mit viel Humor – auch verbunden mit der Botschaft, sich nicht von Digitalisierung und Big Data beirren zu lassen. Denn schließlich könnten Zahlen, Daten und Algorithmen niemals eine menschliche Beratungsleistung, so wie sie insbesondere Apothekerinnen und Apotheker leisteten, ersetzen. Er forderte das Publikum auf, offener mit Herausforderungen umzugehen, nicht nur Risiken zu sehen, sondern stattdessen mehr Vielfalt, Kreativität und Flexibilität walten zu lassen. In diesem Sinne mehr der eige-nen Fantasie zu vertrauen und auch mal dem Zufall eine Chance geben.

Podiumsdiskussion: Klare Mehrheit für Rx-Versandverbot und einstimmiges Bekenntnis zum Freien Heilberuf Apotheker

In der gesundheitspolitischen Podiumsdiskussion haben sich die gesundheitspolitischen Spitzenvertreter der Landtagsfraktionen  CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen für ein Rx-Ver-sandverbot in Form der vom Bundesgesundheitsministerium vorgelegten Gesetzesinitiative ausgesprochen. Während die FDP NRW an dieser Stelle eine andere Haltung einnimmt und den Gesetzentwurf so nicht unterstützen kann. In punkto Unterstützung „Freiberuflichkeit im Gesundheitswesen“ gab es hingegen keinen Dissens, sondern ein klares Bekenntnis aller Par-teien. In der Podiumsdiskussion wurden darüber hinaus auch die schwierigen bürokratischen Rahmenbedingungen im Apothekenalltag angesprochen. Hierzu boten alle Parteivertreter ei-nen weiterführenden Dialog an, auch dahingehend, die Attraktivität des Berufes vor diesem Hintergrund zu steigern. Stellvertretend für den Berufsstand forderte Thomas Preis in der Podi-umsdiskussion eine nachhaltige Steigerung der Grundhonorierung, die über Jahre hinweg nicht angepasst worden sei.

Zukunftsthema Medikationsplan:
Erheblicher Verbesserungsbedarf bei der Umsetzung

Probleme in der Arzneimitteltherapie durch Polymedikation und mangelnde Therapietreue sind hinlänglich bekannt – was noch nicht bekannt genug ist, sind die immensen Einsparpotenziale, die sich dahinter verbergen. Prof. Dr. Martin Schulz (Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker, AMK) bezifferte diese in seinem Fachvortrag allein im Bereich der vermeidbaren Medikationsfehler auf rund 1 Mrd. Euro. Ein Instrument, um diesem Problem entgegenzuwirken, bildet der im Zuge des E-Health-Gesetzes zum 01.10.2016 bundesweit ein-geführte Medikationsplan. So wie er allerdings jetzt im ersten Schritt umgesetzt wird – nämlich ohne aktive Einbindung der pharmazeutischen Kompetenz der Apotheker – besteht noch er-heblicher Verbesserungsbedarf. In dem Zusammenhang verwies Prof. Schulz auch auf eine Patientenbefragung, aus der hervorgehe, dass nur 37 Prozent den Medikationsplan überhaupt verstehen. Gerade deshalb müssten die fachlichen Kompetenzen von Arzt und Apotheker zum Einsatz kommen - insbesondere mit Blick auf die für 2018 geplante Einführung des elektroni-schen Medikationsplanes. Dabei komme dem optimierten Austausch der beiden Heilberufe eine zentrale Bedeutung zu. In der praktischen Umsetzung müsse der Zugriff auf den Medika-tionsplan über die Primärsoftware erfolgen, alles andere sei nicht praktikabel. Dass dies funkti-oniere, zeige das Modellprojekt ARMIN. Beispielgebend seien hier auch die klar geregelten Zuständigkeiten und eine faire, für beide Berufsgruppen gleiche Honorierung.   

Erstmalige Preisverleihung Nachwuchspreis öffentliche Apotheke:
Vier ausgezeichnete Projekte und Preisträger

Der syrische Apotheker Farid Dawd wurde für seine Initiative „Erfahrungsgruppe für Syrische Apotheker“ mit dem „Nachwuchspreis öffentliche Apotheke“ ausgezeichnet. Darüber hinaus haben drei weitere Projekte die Auszeichnung erhalten. NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens übergab die Preise und lobte das Engagement der Preisträger.

Die Gewinner des „Nachwuchspreises öffentliche Apotheke“:
1. Preis: Farid Dawd, Apotheker aus Syrien, zurzeit Apotheker im Praktikum in einer Apotheke in Bornheim, für seine Initiative „Initiierung einer Erfahrungsgruppe für syrische Apotheker vor Ort“.
2. Preis: Julia Lanzenrath, Pharmaziestudentin, Uni Bonn, für ihre Initiative „Blutspendemara-thon „Vampire Cup“.
Aufgrund der Qualität der eingereichten Beiträge hat die Jury den
3. Preis zweimal vergeben, und zwar an:
- Maira Anna Deters, Doktorandin im Fach Pharmazie, Uni Düsseldorf, für das Projekt „Suba-nalyse der DIADEMA-Studiendaten“.
- Anita Petric, Pharmazeutin im Praktikum, Uni Bonn, für das Projekt „Nothilfe-Einsatz von Apotheker ohne Grenze e.V. Haiti 2016“.

Videoportraits auf Youtube

Der Apothekerverband Nordrhein hat für die Videobeiträge der ausgezeichneten Projekte und Preisträger einen eigenen YouTube-Channel eingerichtet.

Positives Gesamtfazit  

Doris Schönwald, stv. Vorsitzende des AV Nordrhein, zog am Ende des Kongresstages ein durchweg positives Fazit. Sie bekräftigte nochmals die im Kongressablauf immer wieder aktiv eingebrachten gesundheitspolitischen Positionen des Verbandes. Ziel müsse sein, dass diese auch Einzug finden bei den gesundheitspolitischen Weichenstellungen und beim politischen Handeln einer neuen Landesregierung in NRW nach dem Wahltag am 14. Mai. Darüber hinaus werde man in den nächsten Monaten bis zur Bundestagswahl nicht nachlassen, sich für diese Positionen und Forderungen auch auf Bundesebene einzusetzen. Auch eine kommende Bun-desregierung müsse an den grundlegenden und bewährten Struk¬turen des Gesundheitswesens festhalten und bei der unabhängigen Arzneimittelversorgung durch öffentliche Apotheken auf den freien Heilberuf Apothe¬ker und unsere inhabergeführten Apotheken setzen. Eine eindeutige Positionierung sei dabei von grundsätzlicher Bedeutung - nicht nur für den Berufstand, son-dern besonders für die zu versorgenden Menschen, betonte Schönwald.

Ausblick: 10. Zukunftskongress öffentliche Apotheke am 17.02.2018
Der Termin für den 10. Zukunftskongress öffentliche Apotheke steht schon heute fest: Samstag, 17.02.2018. Veranstaltungsort wird erneut das World Conference Center in Bonn sein.

 

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