Versandhandel mit Arzneimittel: Zu viele Risiken und Nebenwirkungen

Auswirkungen der Gesundheitspolitik auf öffentliche Apotheken

Die Reihe von renommierten Institutionen und unabhängigen Arzneimittelexperten, die vor dem Arzneimittelkauf im Internet warnen, wird immer länger. Das Bundeskriminalamt (BKA) fragt in seiner aktuellen Studie „Arzneimittelkriminalität - ein Wachstumsmarkt?“, ob der Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln nicht verboten werden müsse. Nach Angaben der EU-Kommission hat sich die Anzahl der Arzneimittelfälschungen mit 2,7 Millionen im letzten Jahr verfünffacht. Haupteinfallstor ist der internetbasierte Versandhandel. 

Der Bürger hat bei der Arzneimittel-Bestellung im Internet - so ein weiteres Fazit der BKA-Studie - kaum eine Möglichkeit festzustellen, ob er sich tatsächlich an einen legalen Anbieter wendet. Eine umfassende Kontrolle ist wegen der „schnellen technischen Generierung neuer Homepages und der enormen Anzahl von illegalen Internetangeboten nicht möglich.“ Diese Erkenntnis des BKA wird untermauert durch ein Experiment von Prof. Schweim vom Lehrstuhl Drug Regulatory Affairs in Bonn. Er hat eine „Internet-Apotheke“ mit dem eindeutigen Namen „Fake-Apotheke“ konstruiert und eindrucksvoll aufgezeigt, wie einfach es ist, Internet-Angebote zu fälschen.

Ob direkt übers Internet, über den Umweg Bestell- und Abholservice beim Drogeriemarkt oder am Arzneimittelkiosk am Münchener Hauptbahnhof – die Versandhandelswege von Arzneimitteln werden zunehmend beliebiger und damit unkontrollierbarer. Durch die Legalisierung des Versandhandels durch den Gesetzgeber werden die Sicherheitsmechanismen der Apothekenpflicht auf Kosten von Gesundheits- und Verbraucherschutz ausgehöhlt.

Noch gilt Deutschland als einer der sichersten Arzneimittelmärkte weltweit. Damit das so bleibt, dürfen Verbraucherschutz und Versorgungssicherheit von hochsensiblen Waren wie Arzneimitteln nicht aufs Spiel gesetzt werden. Die Regelversorgung mit Medikamenten muss durch den ausgewiesenen Arzneimittel-Experten Apotheker erfolgen. Dazu gibt es keine Alternative!