Engpässe bei Grippeimpfstoffen

Aktuelle AVNR-Blitzumfrage bestätigt deutlich höhere Nachfrage als im Vorjahr und mangelnde Verfügbarkeit

Quelle: ABDA

Apotheker in Nordrhein vermelden sehr große Engpässe bei Grippeimpfstoffen - das ist das zentrale Ergebnis einer Blitzumfrage unter den Mitgliedern des Apothekerverbandes Nordrhein e.V. zur Verfügbarkeit von Grippeimpfstoffen. Innerhalb von drei Tagen haben sich bis gestern Abend mit rund 400 in etwa 20 Prozent der Mitgliedsapotheken zurückgemeldet. Nahezu alle bewerten die Nachfrage nach Grippeimpfstoffen zum jetzigen Zeitpunkt als „sehr viel höher“ als im Vorjahr und beurteilen die Verfügbarkeit als „schlecht“ oder „sehr schlecht“.

„Mit rund 400 Rückmeldungen in drei Tagen verzeichnen wir die bisher größte Resonanz auf eine Blitzumfrage. Das ist auch ein klares Indiz dafür, dass die Kolleginnen und Kollegen die Verfügbarkeit an Grippeimpfstoffen als ein äußerst drängendes Problem einschätzen“, erklärt Thomas Preis, Vorsitzender Apothekerverband Nordrhein e.V. In zahlreichen Kommentaren hätten Umfrageteilnehmer zudem ihr Unverständnis kundgetan, dass eine offensichtlich vorherrschende und auch von Ärzten bestätigte Engpasssituation bei der aktuellen Grippeimpfstoffversorgung in der Politik nicht als solche wahrgenommen werde.

Blitzumfrage untermauert Engpasssituation eindeutig

Aus den Ergebnissen geht hervor, dass rund 85 Prozent der an der Blitzumfrage teilgenommenen Apotheken Vorbestellungen von Grippeimpfstoffen von Arztpraxen erhalten haben und diese auch bereits beliefert wurden. Mittlerweile haben bereits über 90 Prozent der Apotheken Nachbestellungen von Arztpraxen vorliegen. Aufgrund der aktuell fehlenden Verfügbarkeit von Grippeimpfstoffen bei Herstellern und Großhandel können diese aber zurzeit nicht bedient werden. Zudem bestätigen 95 Prozent der Apotheken, dass sie zur Versorgung von Privatpatienten Einzeldosen von Grippeimpfstoffen vorbestellt hätten. Davon haben etwa 74 Prozent mehr als im Vorjahr bestellt und ca. 24 Prozent wie auf dem Vorjahresniveau. Rund 95 Prozent bestätigten, dass sie aktuell aufgrund der hohen Nachfrage weder Großpackungen für den Praxisbedarf noch Einzeldosen vorrätig hätten. Die Nachfrage nach Grippeimpfstoffen im Vergleich zu den Vorjahren schätzen alle (100 Prozent) als „sehr viel höher“ oder „höher“ ein. Das heißt: Keiner schätzt die Nachfrage geringer ein.

Mangel an Grippeimpfstoffen wirkt sich auf Umsetzung des Modellprojektes aus

Aufgrund der sehr hohen Nachfrage nach Grippeimpfstoffen im ganzen Rheinland und dem temporären Mangel an Impfstoffen kann das von den Versicherten sehr positiv angenommene neue Dienstleistungsangebot der Apotheken  Grippeschutzimpfungen selbst durchzuführen auch nicht in vollem Umfang stattfinden. Das hat auch eine gesonderte Befragung des Apothekerverbandes bei den schon etwa 60 impfenden Apotheken des Modellprojektes mit der AOK Rheinland/Hamburg in den Modellregionen Düsseldorf, Bonn-Rhein-Sieg, Essen/Mülheim/Oberhausen sowie Duisburg/rechter Niederrhein ergeben.
„Täglich melden sich hunderte Versicherte an der Versicherten-Hotline der AOK Rheinland/Hamburg und beim Apothekerverband, um sich über impfende Apotheken zu informieren. Diese äußerst positive Resonanz freut uns sehr“, sagt Preis. Im Moment wolle man aber das Projekt nicht mehr aktiv bewerben. Die Bewerbung der aufgrund des Impfstoffmangels nur in wenigen Apotheken stattfindenden Impfungen überlassen AOK und Verband daher aktuell den teilnehmenden Apotheken vor Ort. Eine Veröffentlichung aller teilnehmenden Apotheken würde erst erfolgen, wenn wieder ausreichend Grippeimpfstoff zur Verfügung stehe.

Hoffen auf nationale Impfreserve

„Nicht nur mit Blick auf die flächendeckende Umsetzung unseres Modellprojektes hoffen wir darauf, dass sich die Verfügbarkeit von Grippeimpfstoffen schnell verbessert. Dabei setzen wir vor allem auch auf die sechs Millionen weiteren Impfdosen, die im November über die nationale Impfreserve bereitgestellt werden“, betont Preis. „Erst dann wird sich zeigen, ob in diesem Winter genug Grippeimpfstoffe zur Verfügung standen.“