Mit rund 400 Besuchern stieß der „Zukunftskongress öffentliche Apotheke“ erneut auf große Resonanz. Neben Verbandsmitgliedern nahmen auch Vertreter aus Bundes- und Landespolitik, der Krankenkassen, Ärzteschaft, Arzneimittelhersteller und Pharmagroßhandel sowie Dienstleister und Geschäftspartner der Apotheken am Zukunftskongress teil.
Anlässlich des Zukunftskongresses hat Landesgesundheitsministerin Steffens als Schirmherrin gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Apothekerverbandes, Thomas Preis, drei ApothekerInnen aus Nordrhein mit dem "Zukunftspreis öffentliche Apotheke" ausgezeichnet.
Gesundheitspolitiker kündigen entschlossenes Vorgehen gegen Nullretax an
Gesundheitspolitiker kündigen entschlossenes Vorgehen gegen Nullretax an und signalisieren Dialogbereitschaft bei Apothekenhonorierung
Unter der Moderation von Peter Ditzel (Chefredakteur der Deutschen Apotheker Zeitung) wurden in der gesundheitspolitischen Podiumsdiskussion intensiv die Themen „Nullretaxation“ und „Apothekenhonorierung“ mit den Gesundheitspolitikern Ulrike Flach (Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium), Barbara Steffens (Landesgesundheitsministerin NRW) und Jens Spahn (gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-/CSU Bundestagsfraktion) diskutiert. Thomas Preis mahnte als Apothekervertreter in der Podiumsdiskussion mit deutlichen Worten den dringenden politischen Handlungsbedarf bei den Themen „Nullretaxationen“ und „Apothekenhonorierung“ an. Dr. Heinz-Uwe Dettling, der - wie im Sonderrundschreiben Nr. 6 vom 31.01.2012 bereits mitgeteilt -, im Auftrag des Apothekerverbandes Nordrhein ein umfangreiches Gutachten zur „Retaxation auf Null“ erstellt hat, stellte mit einem Statement im Rahmen der Podiumsdiskussion klar, warum das Vorgehen der Betriebskrankenkassen rechts- und verfassungswidrig ist.
Die gesundheitspolitischen Vertreter der Bundesregierung, Flach und Spahn, drückten nochmals ihr Unverständnis hinsichtlich des maßlos überzogenen Vorgehens der Betriebskrankenkassen bei Nullretaxationen aus. Falls diese Kassen ungeachtet ihre Retaxwelle fortsetzen, wurde entschlossenes Handeln auf gesetzgeberische Ebene angekündigt. Staatssekretärin Flach wies darauf hin, dass sie derzeit nach ihr aktuell vorliegenden Informationen der aufsichtsführenden Behörde (Bundesversicherungsamt) keine weitere Retaxwelle auf die Apotheken zukommen sehe. Hinsichtlich der „Apothekenhonorierung“ signalisierte insbesondere Jens Spahn Dialogbereitschaft. Er bekräftigte in diesem Zusammenhang nochmals den Vorschlag, dass der Apothekenabschlag in 2013 auf Ebene der Selbstverwaltung auf der Basis von 1,75 Euro neu verhandelt werden könnte.
Landesgesundheitsministerin Steffens bekräftigte in der Podiumsdiskussion nochmals ihre ablehnende Haltung zur Nullretax der Betriebskrankenkassen. Sie hatte bereits in ihrem Grußwort am Vormittag des Kongresstages betont, dass das Vorgehen der Betriebskrankenkassen so nicht korrekt sei und hier dringend die Reißleine gezogen werden müsse. Ähnlich deutlich positionierte sich Ministerin Steffens hinsichtlich der Belastungen der Apotheker durch das AMNOG. Aus ihrer Sicht bestehe in Anbetracht der offensichtlich vorliegenden Abwälzung des Einsparbetrages des Pharmagroßhandels an die Apotheken auch hier dringender Handlungsbedarf.
Grundsätzlich machte die Ministerin erneut deutlich, dass die Apotheke vor Ort gebraucht wird: flächendeckend, wohnortnah und barrierefrei. In diesem Zusammenhang sprach sie sich abermals gegen Versandhandel und Auswüchse wie Pickup-Stellen aus. Gleichzeitig forderte sie den Berufsstand auf, die Heilberuflichkeit in den Vordergrund zu stellen: „Wo Heilberuf drauf steht, muss auch Heilberuf drin sein“, so Ministerin Steffens.
"Zukunftsmodell Beratungsapotheke": Apotheke heavy statt Apotheke light
In einem viel beachteten Vortrag nahm Prof. Dr. Gerhard Schulze (Uni Bamberg) eine in die Zukunft gerichtete Bestandsaufnahme des Apothekerberufes vor. Er betonte dabei die Systemrelevanz der Apotheken für das Gesundheitswesen und hob die herausragende Bedeutung der Beratungskompetenz hervor. Diese könnte aus seiner Sicht noch sehr viel mehr abgerufen und genutzt werden.
Gerade in Anbetracht der neuen Recherche-Möglichkeiten im Internetzeitalter „wisse der Patient nicht nichts, aber häufig das Falsche“. Schon deshalb ergebe sich ein immenser Beratungs- und Aufklärungsbedarf, insbesondere seitens der Apotheker. Daher ginge es künftig nicht um die Neuerfindung der Apotheke, sondern maßgeblich um die Fokussierung auf das Wesentliche. Folglich entwarf Schulze abschließend das „Zukunftsmodell Beratungsapotheke“. Dem Motto „Apotheke heavy statt Apotheke light“ folgend muss die Beratung in und durch Apotheken weiter institutionalisiert werden; dieser Anspruch müsse sich bereits im Pharmaziestudium niederschlagen und in der Praxis auch in enger heilberuflicher Kooperation mit dem Arzt ihre Ausprägung finden.
Zukunftsorientierte pharmazeutische Themen im Fokus
Arzneimitteltherapie im Alter und Medikationsmanagement
Auch der Fortbildungsaspekt bei pharmazeutischen Themen kam im Rahmen des Zukunftskongresses nicht zu kurz: mit praxisnahen und anschaulichen Vortragsbeiträgen vermittelte zunächst Prof. Dr. Jaehde (Uni Bonn), wie man speziell bei der Betreuung älterer Patienten in der Apotheke die Übersicht behält. Anschließend zeigte Dr. Nina Griese (ABDA) auf, welche Zukunftschancen in der Arzneimitteltherapie das Medikationsmanagement in heilberuflicher Kooperation mit dem Arzt bietet.
Aktuelle wirtschaftliche Situation der Apotheken
Konkrete Handlungsoptionen und Positionierungschancen
Ausgehend von den schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingen in der Apotheke stellte Dr. Frank Diener (Treuhand Hannover) konkrete Handlungsoptionen vor, wie man aktuell auch bei den Verhandlungen mit dem Großhandel am besten vorgeht und worauf man achten sollte. Mit der „Vision 2015“ zeigte er abschließend auf, dass jede einzelne Apotheke die Chance hat und auch sie auch nutzen sollte, sich zukunftsgerichtet zu positionieren.
Über 25 Unternehmen informierten vor Ort
In der begleitenden Partnerausstellung boten über 25 Unternehmen aus Apotheken- und Pharmamarkt exklusive Informationsangebote aus erster Hand. Den Aussteller- und Infopartnern gebührt an dieser Stelle ein besonderer Dank. Denn ohne deren Beteiligung wäre eine hochkarätige Veranstaltung wie der „Zukunftskongress öffentliche Apotheke“ nicht möglich.
Partnerausstellung