2. Zukunftskongress
400 Teilnehmer beim "2. Zukunftskongress öffentliche Apotheke" am 06.02.2010 in Bonn
Landesgesundheitsminister Laumann: "Apotheken sind ganz wichtiger Teil unseres Gesundheitssystems"
Am Samstag, den 06.02.2010, hat der „2. Zukunftskongress öffentliche Apotheke“ im World Conference Center in Bonn stattgefunden. Über 400 Teilnehmer waren dabei, als hochkarätige Referenten über die aktuelle gesundheitspolitische Situation, Marktentwicklungen und Zukunftschancen der öffentlichen Apotheke referierten und diskutierten.
Der Vorsitzende des Apothekerverbandes Nordrhein e.V., Thomas Preis, eröffnete den „2. Zukunftskongress öffentliche Apotheke“ unter dem Motto „Der Zukunft kann man am Besten begegnen, in dem man sie selber gestaltet“. Aus aktuellem Anlass bezeichnete er das Vorgehen des GKV-Spitzenver-bandes beim Kassenabschlag als inakzeptabel. Er begrüßte aber die aktuelle Entschlossenheit des Bundesgesundheitsministeriums, dem „Pickup-Verbot“ im Koalitionsvertrag spät- estens in der zweiten Jahreshälfte Taten folgen zu lassen.
In seinem gesundheitspolitischen Statement hob Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann die „Apotheken als ganz wichtigen Teil des Gesundheitssystems“ hervor. Als Gesundheitsminister habe er sich politisch immer für die inhabergeführte mittelständische Apotheke als Abgabeort für das besondere Gut Arzneimittel stark gemacht - dafür werde er sich auch weiter einsetzen. Dabei nahm er die Apotheken in die Pflicht und betonte, dass eine diskrete und hochwertige Beratung im Mittelpunkt stehen müsse. Zudem dürfe man es in der Öffentlichkeit nicht zulassen, dass insbesondere verschreibungspflichtige Arznei- mittel zur herkömmlichen Handelsware herabgestuft werden. Minister Laumann wünscht sich insbesondere, dass die Apo- theken künftig noch stärker auf die Bedürfnisse älterer Menschen eingehen. Eine weitere wichtige Zukunftsaufgabe für die Apotheken sieht der Minister in der Gesundheitsförderung und Prävention.
In einem beeindruckenden und viel beachteten Vortrag wies die renommierte Zukunfts- forscherin Jeanette Huber darauf hin, dass Gesundheit der aktuelle Megatrend „schlechthin“ sei. Sie präsentierte unter dem Motto „Was Apothekenkunden wirklich wollen“ überraschende Erkenntnisse und neue Fakten. Insbesondere für Apothekerinnen und Apotheker würden sich unter Berücksichtigung dieser Zukunftstrends gute Chancen bieten, ihre Position als wichtige Akteure und persönliche Ansprechpart-ner der Patienten zu festigen und weiter auszubauen.
Wie Apotheker neue Zukunftsfelder erschließen können, machte der erst kürzlich zum „Professor des Jahres 2009“ gekürte Prof. Theo Dingermann anschaulich am Beispiel „prädiktive Gendiagnostik“ deutlich. Denn die Gendiagnostik bietet die Möglichkeit, wichtige Informationen im Sinne von Arzneimittelwirksamkeit und Arzneimittelsicherheit zu erhalten. Dies, so machte Prof. Dingermann deutlich, falle in den Kompetenzbereich von Arzneimittelfachleuten, den Apothekerinnen und Apothekern.
Die Arzneimittel-Expertin Dr. Nina Griese (ABDA) gab gemäß ihres Vortragstitels „Rabattverträge: arzneimittelbezogene Prob- leme erkennen und lösen“ anhand von Praxisbeispielen konkrete Handlungsoptionen, wann und wie man bei der Umsetzung der Rabattverträge pharmazeutische Bedenken geltend machen kann bzw. muss und damit die eigene heilberufliche Kompetenz stärkt. Auch wenn das Geltendmachen pharmazeutischer Bedenken vergleichsweise nur ein kleiner Schritt in der Erweiterung des apothekerlichen Kompetenzfeldes sei, so würde er zur Stärkung der künftig immer wichtiger werdenden heilberuflichen Kompetenz des Apothekers wesentlich beitragen.
Dr. Frank Diener (Treuhand Hannover) skizzierte erstmalig und exklusiv anlässlich des Zukunftskongresses die ersten wirtschaftlichen Eckdaten des abgelaufenen Geschäftsjahres 2009. Gleichzeitig zeigte er konkrete Handlungsperspektiven auf, wie sich die öffentliche Apotheke unter Berücksichtigung eines sich ändernden Marktumfeldes erfolgreich positionieren kann.
Auch die Podiumsdiskussion zum Thema „Qualität als Wettbewerbsfaktor“ mit den Diskussionsteilnehmern Prof. Dr. Wolfgang Goetzke (Gesundheitsregion Köln/Bonn), Wilfried Jacobs (AOK Rheinland/Hamburg), Thomas Preis (AV Nordrhein) und Kai Helge Vogel (Verbraucherzentrale NRW) die kritisch und zielführend von WDR-Journalist Ralph Erdenberger moderiert wurde, förderte interessante Diskussions-Ergebnisse zutage. Diese brachte der Moderator auf folgenden Nenner: Die öffentlichen Apotheken haben dann die besten Zukunftsperspektiven, wenn sie ihr umfangreiches pharmazeutisches Know-how und ihre qualitätsgesicherten Dienstleistungen noch klarer kommunizieren. Dazu gehört auch, sich aktiv vor Ort in die sich sukzessive herausbildenden Gesundheitsnetzwerke mit einzubringen.
Der stellvertretende Vorsitzende des Apothekerverbandes Nordrhein e.V., Werner Heuking, zog am Ende der Veranstaltung ein äußerst positives Fazit. In der Überzeugung, allen Teilnehmern genügend Rüstzeug für ihre Apotheke auf den Weg zu geben, machte er am Ende noch einmal deutlich: „Unsere Gesellschaft braucht die unabhängige Apotheke vor Ort, nur sie garantiert die Freiheit der Beratung und unserer qualitätsgesicherten Dienstleistung.“
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